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Der Himmel heller als Azur
Durch die Hauptstraßen von Peking schallte grell aus vielen Lautsprechern das neue Volkslied, das sich durch seine aufregenden Rhythmen die Aufmerksamkeit aller Fußgänger erzwang:
„Der Himmel des neuen China erstrahlt heller als Azur! Das Volk des neuen China genießt endlich Glück und Freude!"
Auf dem Heimweg von ihren Arbeitsstätten sollten die Arbeiter, die Angestellten, die Beamten an die kommunistische Wirklichkeit erinnert werden. Zu Hause angekommen, wartete ihrer bereits die erzieherische Sorge der örtlichen Agenten, der Bezirksvorsteher und eifrigen Nachbarn, die voller Ungeduld tätig sein wollten, um ihr eigenes Guthaben an politischen Verdiensten bei der Regierung zu erhöhen: „Die Sonne des neuen China soll niemals untergehen! Das Lied vom neuen China soll ewig nidit verstummen!" In einer Seitenstraße stoppten zwei Polizeiwagen. An die dreißig politische Agenten sprangen auf das Pflaster der Straße. Sie hatten den Auftrag, das Haus Nr. 2 in der Kuhrippengasse zu umzingeln.
Der ganze Häuserblock wurde umstellt und alle Ausgänge bewacht. Etwa zehn Mann drangen mit Maschinenpistolen in das Haus ein, bereit, jeden Widerstand sofort zu bredien. — Ich war in diesem Augenblick in der Kapelle, wo eben die Andacht begonnen hatte.
Da sah ich plötzlich einen Mann in der Türöffnung stehen, eine große Gestalt in Khaki-Uniform, auf dem Kopf das Käppi. „Ein politischer Agent", blitzte es mir durdi den Kopf, „der kommt meinetwegen!"
Die Augen des Uniformierten irrten suchend durch den Raum der Kapelle, unsere BliAe begegneten sich. Er hob die Hand, durdi einen Wink befahl er, ich sollte kommen. Mich durch-rann ein Zittern: „Gott, meine Stunde ist da!"