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Das Kind erwacht von dem Schrei. Ein hoher, heller Schrei, der jäh abbricht, ein Poltern, dann wieder die helle Stimme: »Nein! Nein!«
Dann ein Schuß.
Das Kind hat sich aufgerichtet, starrt mit weit aufgerissenen Augen ins Dunkel, lauscht, springt aus dem Bett, und während es zur Tür läuft, fällt der zweite Schuß.
Auf der schmalen Holzstiege, die hinabführt in den Wohnraum, bleibt das Kind vor Schreck erstarrt stehen. Zwei Menschen liegen auf dem Boden. Die Frau liegt auf dem Gesicht, sie hat die Arme weit ausgebreitet, so wie sie sich schützend vor den Mann geworfen hat, dem der Schuß gegolten hat. Darum hat der erste Schuß sie getroffen. Sie ist vornüber gestürzt. Ihr blondes Haar ist wie ein Schleier auf dem Boden auseinandergefallen.
Man sieht kein Blut, keinen Einschuß.
Sie hatte ihr Haar an diesem Abend gewaschen. In einem blauseidenen Morgenrock saß sie auf einem niedrigen Hocker vor dem Kamin und trocknete ihr Haar. Das Kind durfte es kämmen. Und der Mann, der jetzt gekrümmt, die Beine angezogen, das Gesicht verzerrt, den Mund noch wie zum Schrei geöffnet, auf der Seite liegt, hatte mit dem Haar gespielt. Er kniete hinter ihr, ließ es durch die Finger gleiten, nahm eine Strähne zwischen die Lippen, und schließlich hatte er sich ihr Haar, das noch ein wenig feucht war, über das Gesicht gebreitet. »Like a golden rain«, hatte er gesagt.
Wie ein goldener Regen. Frederike hatte es für das Kind übersetzt, denn es spricht noch kaum englisch.
Dann hatte sie mit einem Lachen das Haar in den Nacken geworfen.
»Geh ins Bett, Liebling, es ist schon spät.« »Och . . .«