Bővebb ismertető
András F. Balogh (Budapest) und Helga Mitterbauer (Graz)
Einleitung
Der Brief ist eine polyfunktionale und variantenreiche Textsorte. Auch wenn er nicht gerade im Zentrum literaturwissenschaftichen Interesses steht, führt er in der Forschung seit den 1960er Jahren keineswegs ein Außenseiterdasein. Schon Reinhard M.G. Nikisch betonte in seiner Monographie, dass „Briefe ein wesentlicher, eigenwertiger Teil" der Literatur seien, hatte dabei aber noch deutlich deren ,,poetisch[en] Gehalt" vor Augen.1 Zwischen ihm und dem vorliegenden Band Hegt die sogenannte kulturwissenschaftliche Wende, aus der sich die Erweiterung des Gegenstondsbereichs erklärt. Hier wird kein enger Begriff der Textsorte Brief vertreten, sondern vielmehr „briefliches Schreiben" in den Brennpunkt gerückt; hier werden zusätzlich zur Analyse von Briefen im eigentlichen Sinn vor allem die Grenzen der Textsorte ausgelotet. Dabei reicht die Palette vom Sendbrief und dem Landesbrief des 16. Jahrhunderts über „briefliches Schreiben" in Kalendern um 1800 bis zum in Briefform gehaltenen Essay des 20. Jahrhunderts. Gefragt wird nach den unterschiedlichen Funktionen und Varianten, die der „Brief in der österreichischen und ungarischen Literatur und Kultur in diesen vier Jahrhunderten ausübte und ausformte.
Einleitend beleuchtet Moritz Csäky die Textsorte aus der Perspektive des aktuellen kulturtheoretischen Diskurses. Als Reflex des wissenssoziologischen Kontexts von Schreiber und Adressat ist der Brief Ausdruck des gemeinsamen Kommunikationsraums, der konkreten Lebenswelt. Aus seiner Funktion als „Surrogat des gesprochenen Wortes", als „in schriftliche Form kondensierte Oraütät" resultiere die Vieldeutigkeit und Unabgeschlossenheit des Dialogs. Der Brief gewähre Ein-
I Vgl. Nickisch, Reinhard M.G.: Brief! Stuttgart: Metzler, 1991 (= Sammlung Metzler 260). S. V-Vl.
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