Bővebb ismertető
Vorwort des Herausgebers
„Ein weiteres Abfallprodukt vom großen ungeschriebenen Roman" apostrophierte der in Pinkafeld lebende, aus der Steiermark stammende Autor Franz Unger seine in diesem Band aufgenommene Prosaarbeit mit dem Titel „Der dritte Konjunktiv". Sie erzählt von Tomaselli, dem Seiltänzer, und Gedina, der rothaarigen Sängerin, sowie von einem Gott, der der Tod ist. Franz Ungers Situation, den großen Roman (noch) nicht geschrieben zu haben, trifft auf die meisten der in diesem Band vertretenen, mit dem Burgenland in Verbindung zu bringenden Menschen, die schreiben, zu. Erzählende Literatur entsteht hierzulande eher in der kleinen Form, was vielleicht weniger mit dem Ehrgeiz und dem Können der Autoren, sondern vielmehr mit dem Fehlen interessierter und potenter Verlage zu tun hat, die Romane burgenländischer Autoren an die Öffentlichkeit bringen könnten. Daß diese Anthologie im Innsbrucker Haymon Verlag erscheint, ist einerseits Ausdruck für ihren literarischen Anspruch, andererseits aber auch Symptom dieses Mangels.
Das Burgenland, vor nun beinahe achtzig Jahren aus Randbezirken des ungarischen Königreiches entstanden, ist heute ein Land ohne erkennbare Identität. Die alten Mythen sind längst verblaßt, Jahrzehnte lang das kollektive Bewußtsein bestimmende Traditionen haben keine Geltung mehr. Burgenland mag nach wie vor historisch und geographisch zu definieren sein, eine einigermaßen unverwechselbare Seele hat dieses Land aber nicht. Dazu haben wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Veränderungen der letzten Jahre genauso beigetragen wie der so oft bemühte, aus allen Himmelsrichtungen einströmende und oft unkritisch hingenommene Zeitgeist, dessen Herren allerdings immer weniger deudich auszumachen sind. Daher ist auch Burgenlands Gegenwartsliteratur als Produkt einer überaus heterogenen Autorenschaft eine Allerweltsliteratur, was hier keineswegs negativ gemeint ist, sich aber so darstellt.
Wo früher etwa dem Mythos der Stephanskrone gehuldigt wurde, parallel dazu patriotisches Deutschtum sich kämpferisch artikulierte