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In der Geschichte der hochmittelalterlichen deutschen Literatur gebührt Thüringen ein Ehrenplatz. Um 1200 gehörte es zu den Territorien im Reich, in die es die Dichter lockte; nicht so sehr wegen der landschaftlichen Reize, sondern weil der Landgrafenhof in dem Ruf stand, ein der Poesie aufgeschlossener Ort zu sein. So zog es manchen Dichter nach Eisenach in der Hoffnung, hier seine Verse einem kunstverständigen Publikum vorzutragen, in die Gunst des Landgrafen vor allem Hermanns I. (11901217) zu kommen und dessen Gabe zu erlangen. In der Blütezeit der mittelhochdeutschen Literatur zählte die Residenz der Ludowinger neben dem staufischen Hof und dem Hof der Babenberger in Wien zu den bedeutendsten Musensitzen.Wie kam es dazu und wer waren diese Landgrafen, von denen Hermann zum bekanntesten Dichtermäzen seiner Zeit geworden ist? Die Ludowinger hatten ihren Ursprung in einem wahrscheinlich fränkischen Geschlecht, das relativ spät in Thüringen aufgetaucht ist, zu einer Zeit, als in diesem Lande der Grund und Boden bereits im wesentlichen unter Königtum, Kirche, Grafengeschlechtern und niederem Adel aufgeteilt war. So schlug Ludwig der Bärtige, der erste der Ludowinger (gest. um 1080), den mühsamen Weg ein, sich durch Rodung ein Gebiet zu erschließen, das die Grundlage einer Herrschaft bildete. Deren Zentrum war die Stammburg des Geschlechts, die Schauenburg bei Friedrichroda, und in ihrer Umgebung legte er sechs Dörfer an.Durch seine Ehe mit Cäcilie von Sangerhausen konnte er seinen Besitz bis ins Harzvorland ausdehnen. Sein Sohn Ludwig (der Springer) behauptete in unruhigen Zeiten dieses Familiengut und mehrte es, vor allem 1084 durch seine Vermählung mit Adelheid, der Witwe Friedrichs III., Pfalzgrafen zu Sachsen. Dadurch konnte er an der Un-strut (Neuenburg) Fuß fassen. Er gründete das ludowingische Hauskloster Reinhardsbrunn (b. Friedrichroda), das die künftige Grablage seines Geschlechts werden sollte. Dort ist er am Ende seines Lebens als Mönch eingetreten und im Jahre 1123 gestorben. Seine beiden Söhne nutzten das probate Mittel der Heiratspolitik weiter, um Besitz und Macht des Grafenhauses zu vergrößern. Ludwig heiratete die Tochter und Heinrich Raspe (I.) die Witwe des 1122 gestorbenen Grafen Giso IV. Das brachte die kleine, aber ausbaufä-5