Bővebb ismertető
Liebster Vater, Du hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte, ich hatte Furcht vor Dir. Ich wuBte Dir, wie gewöhnlich, nicht zu antworten, zum Teil eben aus Furcht, die ich vor Dir habe, zum Teil deshalb, weil zur Begründung dieser Furcht zu viele Einzelheiten gehören, als daB ich sie im Reden halbwegs zusammenhalten könnte. Und wenn ich hier versuche, Dir schriftlich zu antworten, so wird es doch nur sehr unvollstándig sein, weil auch im Schreiben die Furcht und ihre Folgen mich Dir gegenüber behindern und weil die GröBe des Stoffs über mein Gedáchtnis und meinen Verstand weit hinausgeht. So beginnt der Brief eines Sohnes an seinen Vater. Franz Kafka hat ihn fünf Jahre vor seinem Tod geschrieben. Die meisten Töchter, die in diesem Buch von ihrem Vater erzáhlen, können sich mit diesen Zeilen identifizieren. Franz Kafka hat auf dem Papier gewagt, wovon auch viele Töchter tráumen: Einmal ohne Angst zu reden, einmal die Wahrheit zu sagen, einmal subjektives Empfinden mitteilen zu können, einmal auszusprechen, was die Kindheit so bedrückte, einmal die Verzweiflung über die vielen MiBverstandnisse loszuwerden - und einmal die Bestatigung zu bekommen, daB der ewige, durch nichts auszulöschende Hoffnungsschimmer auf Verstandigung und Anerkennung berechtigt ist. Franz Kafka versuchte seine Seele zu befreien, mit 36 Jahren. Aber: Den langen Brief an seinen Vater hat er nicht abgeschickt. Als ich begann, dieses Buch zu schreiben, freute ich mich über die riesige Zielgruppe: Töchter. Keine besonderen Töchter mit besonderen Beziehungen zu ihren besonderen Vátern, sondern einfach nur Töchter. Töchter erzáhlen über ihre Beziehung zu ihren Vatern. Alle Frauen sind Töchter und die Hálfte der Menschheit sind Frauen.