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H err Franziskus Dionysius Deutelmoser stand im Labo-ratorium der Hofapotheke zu München und wartete. Erwartete mit einer Gelassenheit und Ausdauer, wie sie ebennur ein Provisor aufbringen kann, der weiß, daß ohneihn einige Dutzend kranker Menschen wegsterben müßten vorausgesetzt, daß sie nicht von selbst wieder gesundwerden.Es war recht dunkel in dem engen Raum. Draußen standein solider Münchener Frühjahrsnebel zwischen den altenHäusern, in dem noch obendrein die Dämmerung des Spät-nachmittages schwamm. Der Himmel war ein eisengrauesSprühen voll kalter Nässe; Herr Deutelmoser hätte dassehen können, wenn nicht die schmutzig-braune Wand desalten Rückgebäudes ihm den Blick in die Ferne und in dieHöhe versperrt hätte; das heißt: den Blick seiner leiblichenAugen! Denn mit dem geistigen Auge sah er gegenwärtigdurch sämtliche Nachmittagsnebel und Häuserwände bis ineine kleine Stube in der Sendlingergasse, wo jetzt aller Ver-mutung nach die blondi Zenzi am Fenster saß und sich ab-mühte, in dem spärlichen Lichte noch das Muster ihrer Stick-arbeit zu erkennen.Franziskus Dionysius Deutelmoser vergrub die Hände tiefin die Taschen seiner unzeitgemäß hellen Beinkleider, neigteden Kopf ein wenig zur Seite und lächelte stillvergnügt. Bisgestern hatte er gedacht, die Zenzi sei nur in seinen moos-grünen Frack und in die prachtvoll geblümte Weste verliebt;aber seit vierundzwanzig Stunden glaubte er zu wissen, daßdie Liebe wirklich auch durch diese Weste hindurchging undsozusagen das Herz betraf. Denn gestern war er mit der Zenzidie Isar aufwärts gen Thalkirchen gewandert und hatte in die