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Geheimberichte aus Wien und St. Petersburg Erstmals Dokumente zum Fall Redl
Wien, im Frühjahr 1913. Genau ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird die Monarchie durch einen Spionagefall von nie dagewesener Tragweite erschüttert. Der Oberst im Generalstab Alfred Redl, langjähriger Chef des k. u. k. Kundschaftsdienstes, hat an Rußland, Frankreich und Italien alles verraten und verkauft, was es zu verraten gab. Wieviele Soldaten würden auf den Schlachtfeldern sterben, weil der Feind von morgen über die strategischen Schritte Österreich-Ungarns bis ins kleinste Detail informiert war? Daß der Krieg mit jedem Tag kommen konnte, war zu diesem Zeitpunkt längst schon spürbar gewesen. Der durch eine Indiskretion bekanntgewordene Verrat versetzte die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Spione gab es viele; aber wenn ein Mann in dieser Position - einer, der über sämtliche Geheiminformationen der Armee verfügte, einer, der bald General werden sollte - Kaiser, Volk und Vaterland verraten hat, dann war das mehr als irgendeine Agentenstory. Das war eine Bedrohung der Monarchie.
Ich setzte mir zum Ziel, die Hintergründe der Redl-Affäre erstmals nicht in Form einer fiktiven Erzählung zu durchleuchten, sondern als recherchierten Dokumentarbericht. Es war naheliegend, daß dieses dramatische Thema, noch dazu in Verbindung mit »sexuellen Verfehlungen«, wie es damals hieß, im Laufe der Jahrzehnte Anlaß für zahlreiche Romanerzählungen und Film-
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