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Otto F. Beer - Der Fenstergucker [antikvár]

Der Fenstergucker [antikvár]

Otto F. Beer

 
Vorwort »Der Fenstergucker« war und ist nicht der historische Fenstergucker, nämlich jenes Steinbild, welches über dem Fußgängertor des unter Leopold I. 1672 eröfTneten Kärntnertores in einer Bogennische eingemauert war und das heute im Historischen Museum der Stadt Wien noch zu sehen ist. Der »Fenstergucker«, nach dem dieses Buch benannt ist, ist der Titel jener heute vielleicht schon zur Sage, weil zur Fernsehgeschichte gewordenen Fernsehreihe, die bald nach Erlangung des Staatsvertrages die Österreicher allmonatlich zum...
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Vorwort »Der Fenstergucker« war und ist nicht der historische Fenstergucker, nämlich jenes Steinbild, welches über dem Fußgängertor des unter Leopold I. 1672 eröfTneten Kärntnertores in einer Bogennische eingemauert war und das heute im Historischen Museum der Stadt Wien noch zu sehen ist. Der »Fenstergucker«, nach dem dieses Buch benannt ist, ist der Titel jener heute vielleicht schon zur Sage, weil zur Fernsehgeschichte gewordenen Fernsehreihe, die bald nach Erlangung des Staatsvertrages die Österreicher allmonatlich zum Besuch, zur Entdeckung ihrer neu gewonnenen Heimat eingeladen und begleitet hat. Fünfzehn und mehr Jahre lang. Der Mann am Fenster, der fiktive Sprecher dieser Sendereihe, war also nicht das Männchen ob dem ehemaligen Kärntnertor, sondern der seinerzeit berüchtigte und legen-denumwobene Meister Anton Pilgram am Fuße seiner Kanzel im hohen Dome zu St. Stephan. Dieser Fenstergucker bot sich als Titelsignet zahlreicher Filme aus mancherlei Gründen an. Nicht nur die wahrscheinliche Herkunft des Steinmetz aus Brünn war es, was ihn von vornherein zum gelernten Wiener und Österreicher machte, nein, mehr noch seine eher vertrackte Physiognomie, dieses fast skeptische Gesicht ließ ihn als Filmcicerone durch Österreich und seine Umlande wie prädestiniert erscheinen. Dieser eher zweifelnde, fast grillparzerisch-verdrossene Blick gleich am Anfang der Darbietungen verhinderte, daß der »Fenstergucker« zur genüßlich-feierlichen Heimatsendung wurde. Was Meister Pilgram auf seinen Fahrten landauf, landab von seinem Fenster aus zur Kenntnis nahm, war nicht immer die Idylle, das kleine Glück abseits der großen Welt, es war stets der Welt-Winkel, jener Ort also, der vom Maß der großen Welt bestimmt wird. Dieser Blick war nicht nostalgisch gestimmt, sondern eher aufgeklärt: Die Vergangenheit wurde nicht nur als Lust, sondern auch als Last gesehen, die von jedem neu Hinzukommenden getragen, oder wie ein Modewort sagt, »bewältigt« werden muß. So geschah es, daß der Mann am Fenster seinen Platz am Fenster oft verlassen mußte, um den Anruf des Gestern genauer zu hören und dessen Bilder neu zu deuten, da ja die Geschichte (wie Nietzsche meint) immer neue Wahrheit redet. Der oft festlichen Sdmmung mischte sich so auch jene begründete Trauer bei, die uns über- kommt, wenn wir das von der Historie Versäumte und deren Opfer überdenken. Wenn nun in diesem Buche die vielen Fenstergucker-Erfah-rungen in einem Kompendium zusammengetragen werden, dann darf dieser zweifelnde Blick unseres fiktiven Meisters Pilgram nicht übersehen werden. Vor allem soll die Schönheit der Bilder nicht täuschen. Wenn das Wort des Dichters einen Sinn hat, dann gilt hier besonders, daß die Schönheit stets auch des »Schrecklichen Anfang« ist. Hinter dem schönen Schein, hinter der repräsentativen Fassade lauert oft das Un-Heimliche. Die Vergangenheit ist Anspruch, nicht Zuspruch. Sie fordert heraus und wendet nicht tröstlich ab. Der Fotograf des Fenstergucker-Buches arbeitet mit einer solchen »aufgeklärten« Kamera. Seine Bilder zeigen nicht Masken und Kulissen, nicht Versatzstücke der Historie und von der Historie durchwohnte Landschaft - seine Bilder bieten den Vordergrund als Hintergrund; sie maskieren und drapieren nicht, sie demaskieren. Schwer hat es im Vergleich dazu der Autor des Textes. Auch er ist sich des nicht immer Geheuren, ja meist Ungeheuerlichen des uns Überkommenen und Überlieferten bewußt. Aber er weiß, daß die Geschichte aus Geschichten besteht, daß die Haupt- und Staatsaktionen von Anekdoten des meist Menschlich-Allzumenschlichen bestimmt werden, deren Sinn oft fragwürdig ist, da ja das so Gewordene, in unseren Geschichtsbüchern Zusammengetragene nicht von einem ominösen oder dialektischen Weltgeist ersonnen wurde Also bleibt für den »aufgeklärten« Zeitgenossen die Vergegenwärtigung unserer Vergangenheit oft nur eine feuilletonistisch-ironische Replik. Und doch sollte aus dieser anekdotischen Aufbereitung unserer Vergangenheit nicht jene »geheime Verabredung der gewesenen Geschlechter und unserem« überhört werden, wie Walter Benjamin fordert. Friedrich Hansen-Löve

Termékadatok

Cím: Der Fenstergucker [antikvár]
Szerző: Otto F. Beer
Kiadó: Szerzői magánkiadás
Kötés: Vászon
Méret: 220 mm x 290 mm
Otto F. Beer művei
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