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ElN KNABENRUF gellte — erst heiser schrill, dann im Stimmwechsel rauher Baß: „Simon! Es wird Abend Der Wind hebt an." Es war Andreas, der seinen ein Jahr älteren Bruder weckte und die Bohlentür aufstieß zu dem dumpfen dunklen Innenraum der Fischerhütte, darin noch die Hitze von mehr als zehn unerträglichen Stunden döste. Unsichtbar hockte irgendwo in der Finsternis der Gerufene, angelehnt an die rauhe rissige Lehmwand in der Kauerstellung des Schlummers der ganz Armen. Nun streckte und räkelte er sich im ersten kühlen Anhauch, der von draußen durch die grelle Öffnung den dunkelblauen Kittel und das strähnige Haar des Bruders hereinwehte.
Auch Stimmen trug der Wind zu ihm herein — von Frauen, die aus dem Brunnen beim Nachbarhaus, des reichen Zebe-däus, Wasser holten, von Männern, von Kindern — ganz Bethsaida war aufgewacht.
Noch ein wenig taumelig gürtete sich Simon fester. Im Lichtviereck des Türrahmens hatte er neben Andreas an ihren Schatten die beiden Nachbarsöhne erkannt, Jaqob und Johannes, alle drei auf dem Schulweg zu Rabbi Zachäus. Nicht ohne Neid starrte er auf die Rolle mit den heiligen Schriften unterm Arm des älteren Kameraden. Der arme Simon, der nicht lesen konnte, hätte nicht einmal gewagt, das kostbare Pergament mit seinen schwieligen Fäusten anzufassen.
Arbeiten — ja — das durfte er; gar seit ihnen die eigene Barke nicht mehr gehörte, seit sie für den Nachbar fischen mußten, Knechte mit Knechten. Den Jaqob und Johannes durften sie nicht mitnehmen in die Nacht auf dem See. Deren schmale Hände waren gut, die Netze auszubessern, doch kaum, die Körbe mit dem Fang frühmorgens an Land zu tragen.
Aber den kräftigen Simon tätschelte Zebedäus oftmals an-
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