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Der Fremde Gott [antikvár]

Bruno Brehm

 
1 Am Ende der Furche fuhr sich der pflügende Bauer mit dem Ärmel über die schweißnasse Stirn. Ein warmes Frühjahr! Vor Ostern schon steht die Wintersaat gut eine Spanne hoch, blühen die rötlichen Pfirsiche zwischen den blauschimmernden Weinstecken, säumt saftig der zweimal angepflügte Rain den Acker. Der Nachbar ist krank und sieht nicht, daß Pachmayr nicht widerstehen kann, seinem F'eld eine Handbreit gepflügte Erde hinzuzntun. Der Bauer hob das Leitseil, zog die Pflugschar aus der schweren Erde, schwenkte die langsam...
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1 Am Ende der Furche fuhr sich der pflügende Bauer mit dem Ärmel über die schweißnasse Stirn. Ein warmes Frühjahr! Vor Ostern schon steht die Wintersaat gut eine Spanne hoch, blühen die rötlichen Pfirsiche zwischen den blauschimmernden Weinstecken, säumt saftig der zweimal angepflügte Rain den Acker. Der Nachbar ist krank und sieht nicht, daß Pachmayr nicht widerstehen kann, seinem F'eld eine Handbreit gepflügte Erde hinzuzntun. Der Bauer hob das Leitseil, zog die Pflugschar aus der schweren Erde, schwenkte die langsam schreitenden Ochsen mit kehligem Zuruf herum und begann eine neue Furche. Träge neigten sich die bräunlichen Schollen, im schrägen Schnitt das Blau des wolkenlosen Himmels spiegelnd. Gleich einer andern Sonne flimmerte es in solchem erdgespiegelten Himmel auf. Der Bauer zog das Leitseil an und verhielt die Ochsen. Ächzend bückte er sich und kratzte mit seinen krummen, narbigen, braunen Fingern eine von der Pflugschar angeritzte, noch halb erdverkrustete Münze heraus. Er säuberte sie ganz, hängte das Leitseil über den Sterz und atmete rasch. Es war eine Goldmünze. Nicht ganz rund, mit wulstigen Rändern und einer schwer lesbaren Schrift. Deutlicher als diese war ein bärtiger Männerkopf auszunehmen, der ein Mittelding zwischen Krone und Stirnbinde trug. Auf der Rück- 5 Seite war ein Frauenzimmer zu sehen, das sich auf einen von Schlangen umwundenen Stab stützte und eine kleine Säule bekränzte. Mit Mühe entzifferte der alte Bauer die Buchstaben um dieses Bild herum: IMP C M AUR PROBUS AUG. Mißtrauisch spähte Pachmayr über seine Schulter. Jenseits des angrenzenden Weinbergs pflügte mit zwei eifrig nickenden jungen Füchsen der alte Leit-ner, der neidische Bürgermeister. Um sich vor dem zu verbergen, schwenkte Pachmayr noch einmal seine Ochsen herum, deckte sich hinter ihnen und durchwühlte mit den Fingern die feuchte Erde. Das Goldstück mußte wohl aus einem Kriegsschatz stammen. Droben auf der Höhe, jenseits von Leitners Feld, stand die Napoleonseiche an der Grenze des heutigen Exerzierplatzes. Von dort hatte Anno Netm nach der Schlacht bei Wagram der Franzosenkaiser das letzte Gefecht vor dem Waffenstillstand gelenkt. Außer den Franzosen waren, soviel der alte Pachmayr wußte, hier nur noch Preußen und Schweden durchgekommen. Troßleute und Marodeure wollen immer mehr mitschleppen, als sie tragen können. Manches verscharren sie dann für spätere Zeiten, aber der Wind selbst verstreut solches Volk wie Spreu. Wenn Pachmayr noch ein paar solche Goldstücke fand, mußte er nicht mehr mit langsamen Ochsen, konnte er vielleicht schon im Herbst wie der Leitner drüben mit eifrigen jungen Pferden pflügen. Die Scheune konnte er neu decken, die Jauchengrube betonieren lassen, und seine Stimme wird im Gemeinderat mehr gelten. Es ist doch ganz gut, hin und wieder, wenn der Nachbar es nicht sieht, den Rain 6

Termékadatok

Cím: Der Fremde Gott [antikvár]
Szerző: Bruno Brehm
Kiadó: Leopold Stocker Verlag
Kötés: Félvászon
Méret: 130 mm x 200 mm
Bruno Brehm művei
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