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Am 6. November 1780 saß der Anatom und Physiologe Aloisio Luigi Galvani betrübt in seinem Arbeitszimmer zu Bologna. Seine Gattin war krank, und er hatte ihr vom Markte Froschschenkel zu stärkender Bouillon holen lassen. Die lagen nun, bereits sauber enthäutet, auf einem Teller, unweit der Elektrisiermaschine, aus der er gerade Funken lockte. Da sah er plötzlich, wie die Schenkel jedesmal zuckten, sobald ein Funke in die Luft sprang. Er fand darin eine Bestätigung seiner Annahme, daß im Tiere eine der Elektrizität ähnliche Lebensflüssigkeit zwischen Nerven und Muskeln wirksam sei. Nun wollte er auch erproben, wie die Geschichte unter Einwirkung der Luftelektrizität ginge, befestigte ein Paar Schenkel an einem Kupferdraht, trat auf seinen Balkon und hängte sie dort an das eiserne Gitter. Und wirklich: sooft der Wind die Enthäuteten gegen das Gitter blies, zuckten sie, sogar noch stärker. Wenn nun auch das, was Galvani von dieser sonderbaren Beobachtung dachte, ganz und gar nicht stimmt — den wahren Zusammenhang erkannte erst ein paar Jahre später der Physiker Volta —, so ist doch seit jenem Tage der Frosch das ,,Haustier der Physiologen" und ein ,,Märtyrer der Wissenschaft" geworden. Das ist zwar für den Frosch eine gewiß ehrenvolle, aber auch recht beschwerliche Rolle, und sie endet für den doch so munteren Schauspieler immer tragisch, wobei für ihn kaum etwas Tröstendes darin liegen dürfte, daß er ohnehin selten eines natürlichen Todes stirbt. Damit ergeht es ihm genau wie dem Hasen: ,,alles, alles will ihn fressen" —¦ selbst der Mensch macht hiervon keine Ausnahme. Es mag gleich hier stehen: in Straßburg kamen früher im Frühling rund 75 000 Paar Froschschenkel monatlich auf den Markt, um gebacken von Gourmets verspeist zu werden. Und doch hat der Mensch zum Frosch von jeher etwas wie ein vertrautes Verhältnis gehabt. Fordert ja die Froschphysionomie zu einer Vergleichung mit manchem Menschengesichte geradezu heraus. Es sind, führt Masius solche Menschenparallele einmal launig durch, kurzhalsige
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