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Dr. Thomas Wassmann - Der Garten Eden darf nicht sterben [antikvár]
 
Neuland künstlerisch ericunden Christoph Columbus (1451-1506) (unten) entdeckte dem Abendland die Neue Welt. In seinen Reiseberichten zeigte er sicli tief beeindruckt von der tropisclien Vegetation, obwohl er nur die küstennahen der Karibischen Inseln ge-nauer kennenlernen konnte. Kolorierter Kupferstich (1590) von Theodro de Bry. Die völlige Fremdartigkeit der neu entdeckten Gebiete macht den empfindsamen Beobachter betroffen und regt ihn zur gedanklichen Auseinandersetzung an, wobei jeweils auch die gänzliche Andersartigkeit des...
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Neuland künstlerisch ericunden Christoph Columbus (1451-1506) (unten) entdeckte dem Abendland die Neue Welt. In seinen Reiseberichten zeigte er sicli tief beeindruckt von der tropisclien Vegetation, obwohl er nur die küstennahen der Karibischen Inseln ge-nauer kennenlernen konnte. Kolorierter Kupferstich (1590) von Theodro de Bry. Die völlige Fremdartigkeit der neu entdeckten Gebiete macht den empfindsamen Beobachter betroffen und regt ihn zur gedanklichen Auseinandersetzung an, wobei jeweils auch die gänzliche Andersartigkeit des Gesehenen betont herausgestellt wird -ob in der um 1835 entstandenen Lithographie einer brasilianischen Botokuden-Famiiie (oben) oder in der leuchtend regenklaren Vedute eines Tropenwaldausschnitts (rechts). e Erde ist kein blauer Planet. Mag sie aus den eisigen Weiten des I Weltraums auch wie ein schimmernder Saphir auf schwarzem Samt erscheinen, so zeigt sie sich - aus größerer Nähe erlebt - wohl eher im grünen Gewand. Kein anderer Himmelskörper innerhalb des Sonnensystems trägt diese Farbe. Grün ist offenbar ein ganz besonderes Signal, nämlich das verläßlichste Anzeichen pulsierenden Lebens und demnach fast wie eine Botschaft: Unsere Erde ist ein Sonderfall, eine Folge einmaliger ascrophysika-lischer und physiko-chemischer Konstellarionen - ohne allzu große Extreme, wohl aber mit dem glücklichen Zusammentreffen äußerst günstiger Rahmenbedingungen. Grün ist das Ergebnis einer Entwicklung, die nach Jahrmilliarden mißt. Der größere Teil der Geschichte vollzog sich im Wasser. An Land versucht sich das Grün seit mnd 400 Millionen Jahren. Und Itaum hatte es das Fesdand als L^bensraum erobert, brachte es die produktivsten aller pflanzlichen Lebensgemeinschaften hervor- nämlich Wälder in äquatorialen Breiten. In diesen Regionen der Erde ist üppiges Grün bis heute das besondere Markenzeichen der Wälder geblieben. Unter tropischem Klima begann in der Kreidezeit vor etwa 125 Millionen Jahren der evoluti-ve Aufsrieg der Blütenpflanzen. Bis heute bilden die Tropen für die meisten ihrer Verwandtschafts-gnjppen das eigentliche Mannig-faltigkeitszentmm. Fast ist man versucht festzustellen, daß Vege-tarion schlechthin mit ihren großartigsten Manifestarionen wohl nur in den Tropen anzutreffen ist. Alle übrigen Pflanzenformationen, die die außertropischen Gebiete prägen, erscheinen im Vergleich lediglich als verarmte Ge-füge, die sich in bestimmten Richtungen ökologisch spezialisiert haben. Im Gürtel zwischen den beiden Wendekreisen liegt etwa die Hälfte der Waldfläche unserer Erde. Nur ein Teil dieser immergrünen Laubwälder sind Regen- und Nebelwaldvorkommen, in denen sich die Lebensgemeinschaft Wald zweifellos am machtvollsten und reichhaltigsten entfaltet. Bei ganzjährig fast gleichbleibenden Temperaturen oberhalb 20"C und gleichmäßig über das Jahr hinweg verteilten Niederschlägen von mindestens 1800 mm entwickelte sich der Regenwald beinahe unabhängig in verschiedenen Kontinenten, mit gewissem Schwerpunkt im Amazo-nas- und Orinoco-Becken, dann aber auch in Zentralafrika und Madagaskar, femer auf den Philippinen, Südostasien und der gesamten malayischen Inselwelt. Sogar im Nordosten Australiens gibt es Regenwaldgebiete. Fast die Hälfte der Regenwälder entfällt auf Südamerika. Afrika und Asien besitzen jeweils mnd ein Fünftel, und in den Rest teilen sich Mittelamerika und Australien. Schon fünf Tage nach seiner Landung im heurigen San Salvador im Jahre 1492 berichtete Columbus, er habe seltsame Bäume gesehen mit Zweigen verschiedener Art und diese alle an einem Stamm. Es ist die eiste authentische Schildemng aus einem Regenwald der Neuen Welt. Columbus konnte noch nicht wissen, daß er die Kurzbeschreibung eines Baumes aus dem immergrünen Tropenwald gegeben hatte, der über und über mit Aufwuchs-pflanzen von Kraut- bis Strauchgröße behangen war. Zu verschieden ist der Regenwald von den Wäldern, die man in Mittel- oder Südeuropa erieben kann, und so konnte sich Columbus vetständ-licherweise des Staunens nicht erwehren. Gonzalo Fer-x'andez de CKiedo schrieb im Jahre 1526 ebenso einsichtig: „Ich möchte sagen, daß die Bäume so zahlreich sind und so dicht stehen, daß man den Himmel von unten nicht sehen kann. So könnte man wirklich von einem großen, dunklen Meer sprechen, von dem ein Teil sichtbar ist, ein viel größerer sich aber den Blicken entzieht." Der tropische Regenwald ist ein Phänomen, das sich den Sinnen und dem Verstand eist allmählich erschließt. Noch heute verlangt uns der Anblick eines Regenwal- des Respekt und Verwunderung ab - um wieviel mehr muß er die eisten europäischen Entdecker und Eroberer in Eistaunen versetzt haben. Die Welt der Antike war der Raum mnd um das Mittelmeer, eingeschlossen den vorderen Orient, das angrenzende Nordafrika und die bei Feldzügen erkundeten Teile Europas. Ob schon während des eisten vorchrisdichen Jahrtausends die Phönizier oder andere seefahrende Gmppiemngen aus dem vergleichsweise übeischau-barcn mediterranen Großraum ausbrachen und möglicherweise sogar Teile der Neuen Welt entdeckten, bleibt mangels zuverlässiger schriftlicher Quellen oder anderer dinglicher Befunde zumindest umstritten. Wo sich im klassischen Schrifttum Hinweise auf Regionen außerhalb des Mittelmeerraumes finden, ist zwischen Mythos und Wirklichkeit nicht immer klar zu trennen. Größere Genauigkeit in geographischen Zusammenhängen zeichnet am Beginn der Geschichte eigentiich immer nur die Darstellung militärischer Opeia-rionen aus.

Termékadatok

Cím: Der Garten Eden darf nicht sterben [antikvár]
Szerző: Dr. Thomas Wassmann , Prof. Dr. Ernst Josef Fittkau Prof. Dr. Hans Joachim Fröhlich
Kiadó: Pro Terra Bücher Verlagsgesellschaft mbH
Kötés: Fűzött keménykötés
Méret: 280 mm x 340 mm
Dr. Thomas Wassmann művei
Prof. Dr. Ernst Josef Fittkau művei
Prof. Dr. Hans Joachim Fröhlich művei
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