Bővebb ismertető
UnpolitischIch halte einer Nachbarin zugesagt, ihr Bücher aus meiner Bibliothek zu leihen. Nun kam sie eines Tages und bat um einen Roman aber möglichst nichts über arme Leute", denn arm sei sie selber, was ein bißdien übertrieben war, aber hier wenig zur Sache tut. Vor allem nichts über Politik", fügte sie mit besonderer Betonung hinzu. Die Forderung zu erfüllen war gar nidit so leicht. Kurz entschlossen griff idi in den Büdiersdirank und holte Martin Andersen Nexös Ditte Menschenkind" heraus. Obwohl das ein recht umfangreiches Werk ist, kam meine Nachbarin schon nach einigen Tagen damit zurück. Sie hatte es gelesen und war begeistert davon. ,,Ein wundervolles Buch. Haben Sie nicht noch so was Schönes?"Nadi dieser Erfahrung mit einem unpolitischen Buch drückte ich ihr Gorkis Mutter" in die Hand.Der gekreuzigte GrischaAm Anfang war der Grischa".Es dürfte Mitte 1928 gewesen sein, als ich das von der Feder Arnold Zweigs geformte Porträt und das Schicksal des russischen Sergeanten Grigori Iljitsch Paprotkin kennenlernte. Ich erinnere mich noch heute der aufwühlenden Wirkung dieses Buches, das ich in einem Zuge las, erfüllt von der Anteilnahme und Erschütterung, deren man als junger Mensch fähig ist, und ergriffen von dem reinen, leidenschaftlichen Zorn dessen, der sich entschlossen hat, nicht länger Zuschauer der großen sozialen Auseinandersetzungen der Zeit zu bleiben.Ich hatte schon Jahre vorher Die Sendung Semaels" gelesen; der Name Arnold Zweig war mir also auch von der Lektüre her bekannt, aber erst jetzt durch den Grischa" trat er aus der rccht umfangreichen Reihe der Autoren heraus, die die moderne Literatur repräsentierten. Mit vierzehn hatte ich begonnen, ziemlich wahllos Dostojewski und Tolstoi zu lesen, vornehmlich, weil sie im Bücherschrank meines Vaters standen. Später, bereits mit reiferem Bewußtsein, waren Maxim Gorki und Martin Andersen Nexö in den Vordergnind getreten, gaben mir doch die Mutter", Pelle der Eroberer" und Ditte Menschenkind" genauere Antworten auf die mich bewegenden Fragen. Zu ihnen hatte sich nun Arnold Zweig gesellt. Daß er kein proletarischer Dichter, sondern nur ein linker Bürger" war (um es in der damals in meinem Kopf wohnenden Terminologie auszudrüdcen) und daher mildernde Umstände" beanspruchen durfte, machte ihn mir eher noch sympathisdier.Warum der russisdae Sergeant so liefe Gefühle der Zuneigung auszulösen vermochte? War es meine Sympathie mit dem roten Rußland", die mich zwang, den einfachen russi-