Bővebb ismertető
EIN WORT ZUVOR
»Anekdoton« nannten die alten Griechen das nicht an die Öffentlichkeit Gebrachte, das »Nicht-Aufgedeckte«. War es nicht wichtig genug, um öffentliches Interesse zu finden, oder nicht »geeignet«, jedermann bekanntzuwerden ? Aus welchen Gründen auch immer Berichte oder Aufzeichnungen »zurückgehalten« wurden, manches fand offene Ohren, sobald es als »anekdoton« sich verbreitete. Allmählich begann der Schein des Belanglosen, des Unbedeutenden, unter dem es in den Hintergrund geraten war, zu verblassen. Zwar enthielt das nun Weitergetragene nach wie vor Nebensächliches, aber die Informationen rankten sich um bekannte Persönlichkeiten oder in Erinnerung gebliebene Ereignisse. Sie berichteten von besonderen Begebenheiten, enthüllten Eigenartiges, Charakteristisches. Nicht immer nahmen sie es mit den Tatsachen genau, und für manches Anekdotische könnte man Giordano Brunos Worte gelten lassen: »Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.« So nimmt es nicht wunder, daß die eine oder andere Anekdote einer Persönlichkeit »zugedacht« oder in ähnlicher Form von Zeit zu Zeit mit einer anderen in Verbindung gebracht wurde. Wie dem auch sei, Anekdoten zeugen von der Popularität ihrer »Helden«, sie bringen Eigenheiten ans Licht, zeigen Schwächen, schildern »Allzu-Menschliches«, gewähren Einblicke in bislang Verborgenes oder Nichtbeachtetes. Sie müssen nicht immer historisch verbürgt sein, doch stets auf etwas die Persönlichkeit Charakterisierendes zielen, das sie erzählenswert macht. Oft spiegeln auch »erfundene« Anekdoten das Wesen eines historischen Vorgangs wider. Manchmal beleuchten sie Denk- und Verhaltensweisen einer Gruppe oder Schicht. Ein andermal trifft die Pointe einen Typ, der an sich unbedeutend ist, doch dessen Eigenheiten oder Absonderlichkeiten sich als Zielscheibe des Spottes eignen. Manche Anekdote ist von Mutter-
f/ti--
t I ^ Ü