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Kennen Sie Tiszaujlak, die kleine, ungarische Stadt im Komitat Ugocsa? Wenn Sie kein gebürtiger Ungar sind, werden Sie wohl das kleine Nest am rechten Ufer der Theiß niemals besucht, vielleicht nicht einmal je seinen Namen gehört haben, und das ist schade. Kennten Sie Tiszaujlak aber, dann wären Sie sicherlich einmal zur Abendstunde über den schmalen Korso am Flußufer gegangen, vielleicht sogar Arm in Arm mit einem der schwarzhaarigen Mädchen, deren Lachen eine Skala von verlockender Tiefe bis zum hellen Jauchzen kennt, wie es das nirgends sonst auf der Welt gibt, und Sie wären vielleicht und sicherlich nicht allein, an einem Sonntagvormittag in der Weidenschenke gesessen, wo die Burschen ihre kühnen und schwermütigen Lieder singen und die Zigeuner zum Csárdás aufspielen. Sie wüßten dann auch freilich, daß Tiszaujlak nur eine Hauptstraße, aber einen schönen Marktplatz und kaum mehr als zweitausend Einwohner hat, darunter allerdings sehr bemerkenswerte Leute, deren Oberhaupt der die Gemeinde verwaltende Ortsrichter ist, dem wiederum ein Kreisnotär zur Seite steht. Und am Sonntag! Am Sonntag hätten Sie die vielen schönen Kutschen der Magnaten und des ungarischen Kleinadels gesehen, wie sie langsam über den Marktplatz durch die Menge Gaffender zur Kirche fahren, vor der sich viel Volk in der farbenprächtigen, reichen Landestracht drängt. Aber die Zeiten sind schwer und drükkend und abends im Stadtkrug, wenn die Agenten der österreichischen Polizei schlafen gegangen sind, kann man sehen, wie die Bürger von Tiszaujlak die heißen Köpfe flüsternd zusammenstecken. Auch Magister Royko - von Royko übrigens, denn seine Ahnen wurden schon unter König Matthias geadelt - ist mit der Zeit, mit sich und seinem Leben garnicht zufrieden. Er steht im verschnürten Wams, die in enganliegenden Hosen und Zischmen steckenden Beine übereinander gekreuzt, an den breiten bäuerlichen Schrank seines Arbeitszimmers gelehnt, eine scharfe, gerade Sorgenfalte zwischen den dicken Brauen über den flachen, schwarzfunkelnden