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Am Anfang von Gottfried Kellers Erzählungskunst steht der „Grüne Heinrich"; den Abschluß seines dichterischen Schaffens bildet „Martin Salander". Diese beiden Romane, die zeitlich rund dreißig Jahre auseinanderliegen, haben unter anderm das gemeinsam, daß sie nicht so leicht den Zugang zu den Lesern fanden wie die Gedichte und Novellen. Sie wurden nicht zu „Bucherfolgen", denn der Dichter kümmerte sich weder um den herrschenden Geschmack des Publikums noch um literarische Richtungen; er gab ganz einfach sich selbst, dazu mit einer unerbittlichen, herben Wahrhaftigkeit. Er machte es dem Leser nicht leicht, sondern er verlangte seine ganze Teilnahme, den offenen Blick für die Umwelt, den aufgeschlossenen Sirm für die tiefsten Fragen, die das Menschenherz bewegen, die Freude an strenger künstlerischer Gestaltung, die in Form und Inhalt aus stetem, langsamem Wachstum ihren einmaligen Ausdruck gefunden hat. Wahrhaftigkeit und Wirklichkeitsfreude bilden den Grundzug von Kellers Dichtungen. Immer, im Großen wie im Kleinen, schildert er das „wesentliche Leben", zeichnet er, wie er sich selber ausdrückt: ganze Menschen. Er dringt durch die Oberfläche in die Tiefe. Er verarbeitet innerlich das Geschaute. Das zeigt sich schon im „Grünen Heinrich". Im „Martin Salander" sind die Eindrücke der erlebten Wirklichkeit, namentlich des öffentlichen Lebens, so stark, daß die Grundlinien deutlich durch das poetische Gewebe hindurchschimmern. Von beiden Romanen gilt, was Keller dem Verleger Vieweg schrieb, als er ihm das Manuskript des „Grünen Heinrich" anbot: Unternehmung und Ausführung dieses autobiographischen Ro-manes seien nicht etwa das Resultat eines bloß theoretischen tendenziösen Vorsatzes, „sondern die Frucht eigener Anschauung und Erfahrung." Bedeutungsvoll und von einer Gültigkeit, die tatsächlich das ganze Lebenswerk des Dichters umfaßt, sind die Worte an Vieweg: „Ich habe noch nie etwas produziert, was nicht den Anstoß dazu aus meinem innern oder äußern Leben empfangen hat, und werde es auch ferner so halten." Daher komme es, so fügte er bei, daß er nur wenig
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