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Der Himmel muß warten [antikvár]

Alan Winnington

 
Flucht aus Loka „Schaff mir das Mädchen her! Such sie! Wenn sie erst seit gestern verschwunden ist, kann sie noch nicht weit gekommen sein. Auf da5 deine Seele verrecke! Dies ist schon das zweite Mal. Such sie, oder du wirst dir wünschen, daß du niemals geboren wärest!" Die Stimme des jungen Tensing klang rauh nach der langen Reise. Staub lag auf den Falten seines safrangelben Brokatgewandes, das leise raschelte, während er im Raum hin und her schritt. Er blieb stehen, die Beine gespreizt, die Hände in die Hüften gestemmt. „Im...
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Flucht aus Loka „Schaff mir das Mädchen her! Such sie! Wenn sie erst seit gestern verschwunden ist, kann sie noch nicht weit gekommen sein. Auf da5 deine Seele verrecke! Dies ist schon das zweite Mal. Such sie, oder du wirst dir wünschen, daß du niemals geboren wärest!" Die Stimme des jungen Tensing klang rauh nach der langen Reise. Staub lag auf den Falten seines safrangelben Brokatgewandes, das leise raschelte, während er im Raum hin und her schritt. Er blieb stehen, die Beine gespreizt, die Hände in die Hüften gestemmt. „Im letzten Jahr hast du mir dasselbe Märchen erzählt. Erst machst du mir Appetit, und dann kannst du sie nicht finden!" Der Sohn des Gutsherrn griff nach seinem goldverzierten, mit roter Seide umrandeten Hut. Er warf ihn wütend in die Ecke. Dann setzte er sich auf die niedrige Couch, stützte das Kinn in die Hände und starrte Sado, den Verwalter, an. Der stand tief gebeugt. Angstvoll mühte er sich, den respektvollen Abstand zwischen sich und seinem Herrn zu wahren. Er trat unbehaglich von einem Fui^ auf den anderen. Jeden neuen Wutausbruch des jungen Tensing nahm er hin mit dem Zeichen tiefster Ergebenheit, wie er seit langem gewohnt war zu tun. Er drückte seinen speckigen Filzhut an die Brust und hielt den Blick gesenkt. Er wagte es nicht, seinem Herrn in die Augen zu sehen. Ein langer schwarzer Zopf, fettig glänzend und mit einem roten Bändchen zugebunden, hing über seine rechte Schulter. „Du räudiger Köter", begann Tensing wieder, „es sieht mir ganz so aus, als ob dieses schlanke Mädchen, das zarte Ding mit den großen schwarzen Augen und dem Gang einer Göttin, in Wirklichkeit eine pockennarbige Bucklige ist. Du hast wohl Angst, sie mir überhaupt zu zeigen?" Der Verwalter streckte zum Zeichen seiner Unterwürfigkeit die Zunge aus dem Mund und saugte dabei geräuschvoll die Luft durch die Mundwinkel ein. Diese alte Geste der Demut drückte Ergebenheit aus und den Wunsch, die Luft, die auch der Herr einatmete, nicht mit dem Atem eines Niedrigstehenden zu vermischen. „Euer Ehren, dieses Mädchen Dala ist wirklich die bemerkenswerteste " „Sie hat die bemerkenswerte Fähigkeit, unter deiner Nase zu verschwinden. Ich vermute, da§ du selbst sie gehabt hast, und " Tensing stand plötzlich auf und schlug dem Verwalter mit der flachen Hand kräftig ins Gesicht. „Und wenn das so gewesen ist, dann verspreche ich dir, da§ du deinen Weg in ein anderes Leben durch die Hölle machen mu§t." Sado hörte nicht auf, sich zu verbeugen, seine Zunge herauszustrecken und die Luft geräuschvoll durch den Mundwinkel einzusaugen. Er wui^te, da^ jeder Widerspruch einen neuen Wutausbruch des Herrn hervorrufen konnte. Fieberhaft suchte er nach einer Möglichkeit, den Raum zu verlassen. Tensing war es müde geworden zu schreien. Er schritt in der großen Empfangshalle des Herrenhauses von Loka ruhelos auf und ab. Der große Raum war mit Säulen und buntgemaltem Holzwerk geschmückt. In der Betnische hingen Darstellungen aus der lamaistischen Glaubenslehre. An einer Wand standen niedrige Schränke und eine verglaste Vitrine, die vollgestopft war mit Bronzestatuetten, vergoldeten und buntbemalten hölzernen Götterfiguren, mit staubigen Opfergaben, Butter und Gerstenmehl. Tensing war vor der Statue der Göttin Phalden Lamo stehengeblieben. Der Gesichtsausdruck der Göttin erinnerte ihn an seine eigene Stimmung. Phalden Lamo sa§ auf einem wilden Hengst. Die Zähne leuchteten aus ihrem schwarzen Antlitz. Ihre Kleidung bestand aus der Haut der ihr zu Ehren geopferten Menschen. Das Gehirn der Opfer a§ sie aus einer 10

Termékadatok

Cím: Der Himmel muß warten [antikvár]
Szerző: Alan Winnington
Kiadó: Verlag Neues Leben
Kötés: Félvászon
Méret: 130 mm x 200 mm
Alan Winnington művei
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