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Der Kabbalist vom East Broadway [antikvár]

Isaac B. Singer

 
Das Buch »Der mir liebste amerikanische Schriftsteller ist der aus Polen stammende Isaac Bashevis Singer. Er macht mich weinen und lachen «, schreibt Henry Miller. Ohne im geringsten unzeitgemäß oder gar altmodisch zu wirken, versteht es Singer wie kein zweiter, im Stil der großen europäischen Traditionen zu erzählen. Er beschreibt die Schicksale jiddisch sprechender Menschen, denen er in den Straßen von New York, in seinem Wohnblock, in der geliebten Cafeteria am East Broadway begegnet, an deren Leben er selbst Anteil nimmt und die...
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Das Buch »Der mir liebste amerikanische Schriftsteller ist der aus Polen stammende Isaac Bashevis Singer. Er macht mich weinen und lachen «, schreibt Henry Miller. Ohne im geringsten unzeitgemäß oder gar altmodisch zu wirken, versteht es Singer wie kein zweiter, im Stil der großen europäischen Traditionen zu erzählen. Er beschreibt die Schicksale jiddisch sprechender Menschen, denen er in den Straßen von New York, in seinem Wohnblock, in der geliebten Cafeteria am East Broadway begegnet, an deren Leben er selbst Anteil nimmt und die ihm berichten, was sie von anderen gehört haben: von Rabbinern und frommen Chassidim, von gestrandeten Revolutionären, schrulligen Malern, Schriftstellern und kleinen Gaunern, die von undurchsichtigen, harmlosen Betrügereien leben. Skurril und witzigkönntemandiese Geschichten nennen, sie sind voller Schalkhaftigkeit wie die Typen, denen wir in ihnen begegnen. Aber die seltsamen Schicksale und zumTeil tragikomischen Ereignisse haben - wie der jüdische Witz - einen doppelten Boden. »Man lacht oft bei der Lektüre von Singers Novellen. Aber esistkeinbefreiendesGelächter,sondernjeneböse Erschütterung und Erregung, die nur der schwarze Humor, dieser schreckliche Ausdruck letzter Verzweiflung und Ratlosigkeit, in uns auslöst In dem eindrücklichen Werk Singers, eines der letzten Repräsentanten der ostjüdischen Welt, spiegelt sich der Untergang seines Volkes.« (Rheinischer Merkur) Der Kabbaiist vom East Broadway Wie es in New York so oft geschieht, hatte sich die Gegend verändert. Aus den Synagogen waren Kirchen geworden, aus den Jeschi-was Restaurants oder Garagen. Hier und da konnte man noch ein jüdisches Altersheim finden, einen Laden, der hebräische Bücher verkaufte und als Treffpunkt für die »Landsieit« aus Dörfern in Rumänien oder Ungarn diente. Ich mußte mehrmals in der Woche in diese Gegend, weil die jiddische Zeitung, für die ich schrieb, dort noch immer ihre Redaktion hatte. In der Cafeteria an der Ecke konnte man früher jiddische Schriftsteller, Journalisten, Lehrer, Geldsammler für Israel und dergleichen Leute treffen. Damals gab es auch noch die vertrauten Gerichte: Blintzes, Borschtsch, Kräppe-lach, Leberhäckerle, Reispudding und Eierküchelach. Jetzt kamen dort haupisächlich Neger und Puertoricaner hin. Die Stimmen waren anders, die Gerüche waren anders. Trotzdem ging ich noch immer gelegentlich in diese Cafeteria, zu einem schnellen Imbiß oder um eine Tasse Kaffee zu trinken. Jedesmal wenn ich sie betrat, sah ich auf den ersten Blick einen Mann, ich will ihn Joel Jabloner nennen, einen alten jiddischen Schriftsteller, dessen Spezialität die Kab-bala war. Er hatte Bücher veröffentlicht über den heiligen Isaak Lu-ria, über Rabbi Moses Cordovero, den Baalschem und Rabbi Nachman aus Braclaw. Jabloner hatte einen Teil des >Sohar< ins Jiddische übersetzt. Er schrieb auch Hebräisch. Nach meiner Berechnung mußte er Anfang siebzig sein. Joel Jabloner, groß, mager, mit gelblichem, runzeligem Gesicht, hatte einen glänzenden, völlig kahlen Schädel, eine scharfe Nase, eingefallene Wangen, eine Kehle mit auffallendem Adamsapfel. Seine hervorstehenden Augen waren bernsteinfarben. Er trug einen schäbigen Anzug, und das nicht zugeknöpfte Hemd ließ das weiße Haar auf seiner Brust sehen. Jabloner hatte nie geheiratet. In seiner Jugend war er schwindsüchtig gewesen, und die Ärzte hatten ihn in ein Sanatorium nach Colorado geschickt. Dort war er, wie jemand mir erzählt hatte, gezwungen worden, Schweinefleisch zu essen, und darüber schwermütig geworden. Ich hörte ihn selten ein Wort äußern. Wenn ich ihn begrüßte, nickte er kaum und wendete den Blick oft ab. Er lebte von den paar Dollar, die ihm der jiddische Schriftstellerverband jede Woche auszahlte. In seiner Wohnung in der Broome Street gab es weder ein Bad noch Telephon oder Zentralheizung. Er nahm weder Fisch noch Fleisch, nicht einmal Eier, und

Termékadatok

Cím: Der Kabbalist vom East Broadway [antikvár]
Szerző: Isaac B. Singer
Kiadó: Deutscher Taschenbuch Verlag
Kötés: Ragasztott papírkötés
ISBN: 3423013931
Méret: 110 mm x 180 mm
Isaac B. Singer művei
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