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Vorwon zur 2. Auflage
Seit dem Erscheinen der ersten Auflage des vorliegenden Buches hat das Interesse am Kachelofen eine außerordentliche Steigerung erfahren. Als Folge der Energieknappheit besinnt man sich wieder auf den bewährten Kachelofen, der von Öl und Strom unabhängig macht. Das Hafnerhandwerk hat einen ungeahnten Aufschwung zu verzeichnen und kann die Wünsche nach neuen Kachelöfen kaum befriedigen. Hand in Hand damit ist auch das Interesse an der Geschichte des Kachelofens neu erwacht. Nachdem die erste Auflage vergriffen war, entschloß sich der Verlag zu einer zweiten erweiterten Auflage.
In den letzten 10 Jahren haben sich zahlreiche Forscher, nicht zuletzt durch die vorliegende erste zusammenfassende Darstellung angeregt, mit der Kunstgeschichte des Kachelofens beschäftigt. Trotzdem fehlt es immer noch an systematischen Bearbeitungen von einzelnen Landschaften, die erst eine sichere Basis für eine erschöpfende Kunstgeschichte des Kachelofens liefern könnten. Viele Lokalisierungen und Datierungen bleiben weiterhin hypothetisch.
Die Grundzüge einer- Kunstgeschichte des Kachelofens, wie sie vor 10 Jahren skizziert wurden, können jedoch unverändert übernommen werden, vielleicht mit Ausnahme des Abschnittes über die Salzburger Hafnerkeramik. Glückliche Model-und Kachelfunde in zwei alten Hafnerhäusern bestätigen die Vermutung, daß Salzburg in der Hafnerkeramik des 16. und 17. Jahrhunderts eine weit größere Rolle gespielt hat, als bisher angenommen wurde. In einem gesonderten Abschnitt am Ende des Buches werden die neuen Forschungsergebnisse zur Hafnerkeramik des 16. und 17. Jahrhunderts in Salzburg ausführlich behandelt.
Außerordentlich rege ist die Kachelofenforschung neuerdings in der Schweiz. Eine Lücke schließt das ausgezeichnet gearbeitete Buch über Winterthurer Kachelöfen von Ueli Bellwald, dessen Ergebnisse in der vorliegenden Neuauflage leider nicht mehr berücksichtigt werden konnten.
Auch im Elsaß beschäftigt man sich verstärkt mit der Geschichte des Kachelofens.
Man kann heute nicht mehr sagen, daß der kunstvoll verzierte Kachelofen auf den deutschsprachigen Kulturkreis beschränkt blieb, wenn er auch von dort seinen Ausgang nahm. In zahlreichen europäischen Landschaften finden sich zum Teil bereits im Mittelalter selbständige Leistungen, wie etwa die neuesten ungarischen, tschechischen, rumänischen, jugoslawischen und polnischen Kachelfunde zeigen. Erst kürzlich wieder wurden die Reste eines prachtvollen Ofens aus dem 15. Jahrhundert in dem Moldauschloß Suceava, einem Schloß Stefans des Großen, gefunden und sorgfältig zu einem 3,80 Meter hohen Ofen rekonstruiert, der sich über einer 7 m^ großen Grundfläche erhebt.
Freilich handelt es sich dabei um Kunstwerke, die von der herrschenden Klasse in Auftrag gegeben wurden und ihrem Repräsentationsbedürfnis dienten, wie die überwiegende Zahl der großen Kunstwerke überhaupt. Die Auftraggeber standen in enger Beziehung zueinander und tauschten Künstler und Handwerker aus. Zu der internationalen Komponente trat aber auf dem Gebiet des Kachelofens auch immer eine nationale, landschaftsgebundene Komponente, wie es bei dem tief in der Volkskunst verwurzelten Töpfer- und Hafnerhandwerk nicht anders zu erwarten ist.
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