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Das Wort vom Künstler, der gefälligst bilden, doch nicht reden soll, ergibt nicht deswegen schon einen Sinn und wird erst recht nicht zum Gesetz, weil es geflügeh ist. Gerade in einer demokratischen Gesellschaft sollte man nicht ausgerechnet dem Künstler das Maul stopfen wollen, den man ansonsten nicht müde wird, als Kronzeugen für die Freiheit zu bemühen. Doch: Die Freiheit des Künstlers ist die Freiheit der Kunst! So einfach läßt sich die Welt wieder in Ordnung bringen und dem geflügelten Wort wieder Geltung verschaffen.
Karl Gerstner macht es sich nicht so einfach. Er redet und schreibt: über die Künstler, über die Kunst - und eben über diese demokratische Gesellschaft. Sie tut sich nämlich schwer mit der Kunst - wie umgekehrt natürlich auch. Man muß schon beide schätzen und lieben, damit sich auch jeder darin erkennen kann. Sonst wäre die Mühe umsonst gewesen.
Kunst - auf den kleinsten gemeinschaftlichen Nenner gebracht — beruht auf einer Vereinbarung. Produzent wie Rezi-pient wirken an ihr mit. Wobei der Produzent stets nur über eine Stimme verfügt. Im Verlauf des Vereinbarungsprozesses können ihm jedoch die der Rezipienten zufallen. Das passiert in der Mehrzahl der Fälle so gut wie nicht und nie, manchmal allerdings auch sehr schnell, und normalerweise in schon „geschichtlich" zu nennenden Zeiträumen. Die Voten lassen sich auch zurücknehmen, oft gerade dort, wo sie sehr eilfertig zustande kamen. Das ganze ist ein höchst komplizierter Mechanismus. Karl Gerstner dringt in sein Räderwerk ein. Er stößt dabei nicht nur auf unabänderlich scheinende „Naturgesetze" sondern auch auf die, die an den Rädchen drehen, und auf die, die sich mitdrehen lassen. Er stößt auf das, was man die „Kunstszene" nennt, und auf das, worauf er selbst mit seiner Kunst zielt und setzt: auf unsere demokratische Gesellschaft. Er nennt Roß und Reiter, verschweigt seine Enttäuschungen nicht und bleibt letztlich doch ein Optimist der Art, von der man sagt, sie sei „unverbesserlich".
Ein Demokrat ex confessione; ein Progressist in des Wortes Bedeutung, die heute mehr und mehr zu verkommen scheint.