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ALTE LANDSCHAFT
Es GEHT die Sage: Einst sei die Welt freundlicher gewesen als heute. Und wenn ihr die alten illuminierten Kupferstiche betrachtet, scheint das wahrhaftig zu stimmen.
Was für zarte, lustige Farben und Linien damals in der Welt waren! Die Leute trugen grüne Fräcke und mattgelbe Hosen, die Akazien flimmerten sanft in den blauen Himmel hinein, der heiter war, als lächelte der liebe Gott alle Tage darüber hin.
Es gab noch keine Eisenbahnen, keine Dampfschiffe, keine Kraftwagen, und also auch weder Ruß noch Lärm noch aufgejagten Staub. Es gab nur eines in dieser alten Landschaft: Ruhe. In allem lag sie, auch in den Menschen, eine biedere, handwerkliche Ruhe und Besinnlichkeit. Aber die Ruhe dieser Menschen war keineswegs schwer und kalt. Denn sie hatten zu ihr noch etwas, das in den letzten Jahren verschwunden ist: einen zufriedenen, zärtlichen, leichten Sinn — also saßen sie in ihrer bunten Welt wie besonnte Schmetterlinge auf einer Wiesenblume. Und da ist es kein Wunder, daß der liebe Gott seinen blauesten Himmel darüber hinlächelte und daß die Welt ihn widerspiegelte, wo sie nur konnte. Der hübscheste Erdenfleck und der lächelndste Himmels-spiegel war dort, wo ein halbes Dutzend Länder anein-andergrenzten. Man sollte meinen, ein solcher Winkel sei gefährlich und ein rechtes Wetterloch für Streitigkeit und Krieg. Aber es war schon gesorgt, daß der Friede erhalten blieb, denn eben diesen Grenzwinkel hatte der liebe Gott sozusagen mit seinem nassen Finger betupft, vorsichtshalber, damit er sich nicht erhitzen könnte — und nun lag da ein wundervolles Wasser, der Bodensee. O du gläserner, grünblauer, zehn tausend jähriger See! Hier und da und dort wiegst du deine Wellen noch um die Reste der Pfahlbauten, schwarze Stc .kzähne der Urgroßmutter Erde. Die Römer besiedelten die Ufer und brachten ihnen