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Prolog
Es ist Dienstag, der 24. September 1991. Wie jeden Morgen folgt der rote Kombi dem Asphaltband der Inntalautobahn. Doch dieser Tag hat anders begonnen. Ich fahre nach Innsbruck zum Dienst, aber ich ahne, daß der heutige Tag manches verändern wird. Was, weiß ich noch nicht. Ich lenke das Auto in die Auffahrt. Morgens um sieben Uhr ist die Verkehrsader in Richtung Brenner nach Italien noch fast leer. Nur einzelne Lastkraftwagen sind schon unterwegs. Diese frühe Stunde nutzt man gern zum Grübeln.
Da hatte vor drei Tagen, am Samstag, eine lakonische Notiz in der »Tiroler Tageszeitung« gestanden:
»Beim Abstieg von der Finailspitze entdeckten Touristen am Donnerstag unterhalb des Hauslabjoches eine halb ausgeaperte Leiche, von der nur der Kopf und die Schultern aus dem Eis herausragten. Der Hüttenwirt erstattete beim Posten Sölden Anzeige. Der Ausrüstung nach zu schließen, handelt es sich bei dem Toten um einen Alpinisten; der Unfall dürfte schon Jahrzehnte zurückliegen. Der Tote ist noch nicht identifiziert worden.«
Gewöhnlich kümmert sich der Archäologe nicht um Gletscherleichen. Sie sind für ihn »zu jung«. Mich aber berührt dieser kalte, einsame Tod jedesmal. Ein jahrzehntelanger eisiger Schlaf, bis der Gletscher die sterblichen Überreste wieder freigibt, gleichsam als verspotte die Allmacht der Naturgewalt den einzelnen Menschen und enthalte ihm das angemessene Begräbnis vor.
Die Sonne ist jetzt über dem Kamm der Kitzbüheler Alpen aufgegangen und durchflutet das Tal. Rechts liegt der kleine Ort Kramsach mit