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Vorwort
Diese Arbeit möchte die bedeutenden Momente einer Geschichte des demokratischen IndividuaHsmus oder der modernen Subjektivität aufzeigen. Aus Gründen, die ich im ersten Kapitel ausgeführt habe, ist der Bereich der Ästhetik derjenige, innerhalb dessen die Sedimente einer solchen Geschichte auch heute noch am sichtbarsten und bedeutungsvollsten sind. Ich mußte die ein wenig schw^ie-rige Angelegenheit von zwei Seiten her angehen: Einerseits mußte ich die Definitionen von Subjektivität erneut dort aufgreifen, wo sie am nachdrücklichsten zum Ausdruck gebracht wurden, d.h. innerhalb der Philosophie, ohne jedoch auf die Interpretationen gewisser Aspekte einer Disziplin - der Ästhetik - zu verzichten, die zum Glück von der konkreten Geschichte der Kunst nicht zu trennen ist. Die gesamte Schwierigkeit rührt von der Tatsache, daß die Philosophie, im Gegensatz zu den historischen Wissenschaften, nicht dem angehört, was man die »allgemeine Kultur« zu nennen pflegt. Die Kunstliebhaber, mithin die Gelehrten sind nicht immer mit den Werken Leibniz', Baumgartens, Kants oder Hegels vertraut. Es wäre vollkommen unsinnig zu glauben, daß dieses Hindernis formeller Art oder, wie man mitunter meint, an den diese Gedanken umgebenden »Jargon« gebunden ist. Dies hat tiefliegendere Gründe: Die Reflexion auf die Kultur gehört gerade nicht zur Kultur. Sie gibt eine stets schwer zu überwindende und auszugleichende Distanz vor.
Ich habe mich um eine nicht technische Darlegung der Thesen dieser Arbeit (Kapitel I) sowie auch der hauptsächlich der Erläuterung der zwei Schlüsselmomente der modernen Ästhetik gewidmeten Abschnitte bemüht: Das ist zum einen der Ausgangsstreit zwischen Herz und Vernunft (Beginn des Kapitels II) und zum andern das zweifelsohne vorläufige Ende dieser Geschichte (Kapitel VI).