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VORWORT
Die freundliche Aufnahme dieser inzwischen vergriffenen Essais hat den Verlag dazu ermutigt, die Sammlung ein zweites Mal aufzulegen. Der Verfasser hat, wenige Änderungen im Text und in den Anmerkungen ungerechnet, das Büchlein gelassen, wie es war. Zugefügt ist der Vortrag „Geschichte und Geschichtswissenschaft", der auf dem Ulmer Historikertag, September 1956, gehalten wurde.
Wer wie der Verfasser in den Schicksalen seines Volkes und seiner Zeit geschont blieb, hat um so mehr die Pflicht, sich zu besinnen. Wagt er es zu mahnen und, auf den folgenden Blättern, zu erinnern an die Erschütterung von 1945 und an die uns in ihr gebotene Gelegenheit zu Einkehr und Neuanfang, an jene uns so leicht verlierbare Offenheit der Herzen an der Grenze der Ordnungen, so sei alle Kritik zuerst Selbstkritik, alle Mahnung Mahnung an sich selbst. Wälzt er die Frage um, warum der Historiker so leicht dem Erfolg sich verpflichtet, warum die Geisteswissenschaften so ungeschützt gegen Drohung und Lockung der Zeiten sind, so muß er sich und andere zuerst daran erirmern, daß auch er solches an sich geschehen ließ. Jeder mache das mit sich selbst aus — der Schreibende muß es aussprechen, um wahr zu sein. Jeder setze sich mit den geschichtUchen Entscheidungen auf seine Weise auseinander — der schreibende Mensch tut es mit der Sprache. Der Verfasser strebte sich selbst zu finden, indem er im Bilde seiner Jugend ein Stück bürgerlicher Welt vom Anfang des Jahrhunderts bis ungefähr 1920 zu fassen suchte. Er versucht es jetzt noch einmal mit den auf diesen Blättern folgenden historischen Überlegungen. Ihr AnUegen ist weder das Alte noch gar das Altertümliche, sondern das Bleibende — das für uns, aber auch das in seiner jeweihgen Zeit Bleibende: das Gleichzeitige, wenn man wiU: Annalistische. Immer wieder geht es in den folgenden Versuchen um Gegenwart und Gleichzeitigkeit, um die einfache zeitliche Ordnung der Dinge.