Bővebb ismertető
Lerski - Mensch und Künstler
Wenn ich nicht irre, war es Lea Grundig, die wundervolle Graphikerin und Freundin,
der wir die Bekanntschaft mit den Lerskis verdankten. Eines Abends im letzten
Kriegsjahr besuchten sie uns in dem dickmauerigen Haus im Jerusalemer Griechen-
viertel, wo wir wohnten. Wir holten sie vom Autobus ab. Noch auf dem kurzen Weg
durch die verdämmernde Allee mit den Eukalyptusbäumen wurden wir Freunde.
Helmar Lerski war ein schöner Mensch. Über seinem markanten, edel geschnittenen
Gesicht wehte dichtes weißes Haar. Die Stirne darunter war breit, hoch und
glänzend hell. Die ebenso heiter wie klug blickenden Augen lagen unter silbrigen
Brauen, der schmallippige, ausdrucksreiche, die Worte sorgfältig formende Mund
verriet Lerskis einstige Beziehung zur Bühne.
Niemandem wäre eingefallen, ihm sein hohes Alter zu glauben. Es war ein
Schwereloses an ihm, das auch dem Alter alles Gewicht nahm. Einen Spazierstock,
der ihm nicht zur Stütze diente, elegant vor sich hinsetzend, schritt er mit großen
Schritten aus, im Gehen von der gleichen Anmut wie in der Ruhe. Er sprach leb-
haft, unterstrich gelegentlich seine Worte mit sparsamen Gesten der Hände, denen
man die Freude und das Bedürfnis zu formen anfühlte.
In seiner Erscheinung, seiner Rede, der Art, sich zu geben, war die Persönlichkeit
ganz enthalten, die in der kurzen Zeit, wo uns vergönnt war, sie unmittelbar zu
erleben, sich uns so tief einprägte. Seine Liebenswürdigkeit hatte nichts mit der
konfektionären Kordialität gemein, die häufig große Leute um sich verbreiten. Er
war ein berühmter Mann, ein in seinem Metier Einzigartiger. Er hatte ein langes
Leben in hingebungsvollem Dienste an der Kunst vollbracht, und sein Dasein war
ihm nie zur Last geworden.
In seinen Erinnerungen, an denen er seine Freunde lauteren Herzens teilnehmen
ließ, war Weisheit. Er tat, als staune er selber, wenn er die verschlungenen Wege
seines Lebens erzählend zurückging - einer Laufbahn, die ihn fast um die ganze
Welt führte und während derer er wie durch Zufall entdeckte, wozu eigentlich er
berufen war. Es war aber nur schelmische Übertreibung, denn sein Verhältnis