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Der neu entdeckte Himmel [antikvár]

Robert Henseling

 
DER VERLORENE UND WIEDERGEFUNDENE HIMMEL Dort, wo sich auf dem Lichtbogen der Milchstraße das Sternbild des Südlichen Kreuzes erhebt, bietet der Himmelsanblick starke Gegensätze. Neben hellen Lichtballen der Milchstraße liegen sternarme Felden die in solcher Nachbarschaft tief dunkel erscheinen. Die Seefahrer haben ihnen den nicht gerade poetischer, aber treffenden Namen Kohlensäcke" gegeben. Naturhaft naive Völker sagen und glauben, der Himmel habe dort ein Loch. Denn der Himmel ist ihnen nichts als ein anderes Land, ein anderer...
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DER VERLORENE UND WIEDERGEFUNDENE HIMMEL Dort, wo sich auf dem Lichtbogen der Milchstraße das Sternbild des Südlichen Kreuzes erhebt, bietet der Himmelsanblick starke Gegensätze. Neben hellen Lichtballen der Milchstraße liegen sternarme Felden die in solcher Nachbarschaft tief dunkel erscheinen. Die Seefahrer haben ihnen den nicht gerade poetischer, aber treffenden Namen Kohlensäcke" gegeben. Naturhaft naive Völker sagen und glauben, der Himmel habe dort ein Loch. Denn der Himmel ist ihnen nichts als ein anderes Land, ein anderer Erdboden gleich dem unseren - fern zwar: Nur Vögel, die sehr lange fliegen können, gelangen bis dahin" -, aber es ist dort genau wie hier: Pflanzungen sind da, Wälder und lebende Wesen. Diesen Menschen bietet der Himmel keine anderen Rätsel als ihr täglicher Lebenskreis. Er ist eins mit ihm. Ihre Einbildungskraft ergreift ihn so unbefangen, wie die Hand des Kindes nach dem Monde faßt. Nur langsam, indem die Entfaltung des Lebens in Gemeinschaften den Menschen nötigte, nachzudenken, zu vergleichen, zu abstrahieren, verlor die unmittelbare Sinnenhaftigkeit ihre unbeschränkte Gewalt über die Seelen. Die Sterne wichen vom Irdischen weit zurück. Sie wurden die Heimat von Helden und Göttern, von Ideen und Gesetzen, die die Welt regieren. Der Himmelsraum dehnte sich zur Unendlichkeit. Erde und Ätherraum wurden zweierlei Welten. Wandellose, unirdische Erhabenheit blickte von droben den denkenden Menschen und die Dürftigkeit seiner wechselvollen, vergänglichen Heimstatt an. Viele Jahrtausende währte dies. Die großen alten Kulturen des Sternglaubens kamen und gingen. Seit zweitausend Jahren müht sich der abendländische Mensch, dem Mond und der Sonne, den Planeten und Sternen das Geheimnis ihrer Verteilung und Bewegung im Raum abzuringen. Die Griechen und ihre ersten Schüler blieben in geometrischen Beschreibungen befangen. Das Ptolemäische Bild der Sternwelt ist ohne Anschauungskraft, ja ohne Anschaubarkeit. Erst seit Kopernikus und Galilei, Kepler und Newton kommt langsam wieder, was den Menschen in all den Jahrtausenden zerbrochen und verloren war: ein Bild der Himmelswelt, das sinnenhafte Anschaubarkeit hat. Vor drei Jahrhunderten war das angemessene Bild der Sonne und ihrer planetaren Umwelt gewonnen, vor 100 Jahren die Greifweite der Messungen bis zu den nächsten Sternen ausgedehnt, die andere Sonnen sind. Was die dann folgenden Generationen in der kosmischen Geländevermessung und in der physikalischen Sternforschung leisteten, darf ein Wunder an Scharfsinn, an technischem Können und Beobachtungskunst heißen. Das Ergebnis aber, vor dem wir am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts standen, schien ebenso entmutigend für den Weltraumforscher, wie es majestätisch war in seinen Aussagen über die Himmelswelt: Millionen und aber Millionen Sonnen bauen das Sternall. Der Lichtstrahl, der in kurzen Minuten von der Sonne zur Erde gelangt, fährt Jahre um Jahre, ehe er die Weltenweite von Sonne zu Sonne, von Stern zu Stern überwunden hat. Messend greifen wir bis zu der ungeheuren Ferne von 100 bis 300 Lichtjahren" in den Raum hinaus. Aber es ist nicht abzusehen, wie wir verbürgte Messungen (anstatt bloßer statistisch begründeter Schätzungen) je viel weiter hinaus vortreiben könnten - und die fernsten sichtbaren Gestirne am Himmel des Astronomen sind doch Zehntausende von Lichtjahren entfernt, ja, wer weiß, noch weiter! Heute ist dieses Gefühl der Unsicherheit und des Verzagens vor den großen Aufgaben der Weltraummessung einer stürmisch vordrängenden Entdeckerfreude gewichen. In den letzten Jahrzehnten sind neuartige Methoden reif geworden, die den Machtbereich des Messenden im Weltenraum bis dahin ausdehnen, wo für uns die Grenzmarken der Forschungswelt stehen: bis dahin, von wo nur die mächtigsten Fernrohre noch zarten Schimmer leuchtender Weltengebilde erraffen.

Termékadatok

Cím: Der neu entdeckte Himmel [antikvár]
Szerző: Robert Henseling
Kiadó: Deutsch Buch-Gemeinschaft GmbH
Kötés: Félbőr
Méret: 200 mm x 270 mm
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