Bővebb ismertető
Vorwort
Vorwort
Wer die Alpen kennenlernen wiU, muß sich nicht jeden Gipfel ersteigen; jeder erklommene Berg erlaubt einen weiten Ausblick über andere Höhen und Täler. Man braucht sich also nur die rechten Aussichtsgipfel und die rechten Wanderwege in den hauptsächlichen Gebieten weisen zu lassen, und schon hat man das Wesentliche der Alpen erlebt. Dann aber kommen die Entdeckungsfahrten auf eigene Faust: In zauberhafte einsame Winkel, auf einzelne Bergspitzen, über Gletscherspalten. Und unter dem Eindruck dieser Erlebnisse vergißt man vielleicht den Führer, der dereinst die ersten Hinweise gab.
Ein solcher erster Führer durch das Gipfel- und Talgebiet der klassischen deutschsprachigen Literatur möchte auch dieses Buch sein. Es will ein wenig ordnen und Übersicht schaffen helfen. Daß solches in geschichtlicher Reihenfolge geschieht, ist selbstverständlich. Die Verfasser hatten nicht den Ehrgeiz, an die Stelle der vielen nicht ganz zutreffenden Einteilungsgrundsätze eine neue (ebensowenig zutreffende) Aufteilung zu setzen. Sie haben sich an das überkommene Schema gehalten, sich jedoch erlaubt, so auszuwählen, wie es ihrem Urteil entspricht. Sie haben sich ferner erlaubt, wissenschafdiche Kriterien nicht in den Vordergrund zu stellen und die deutsche Dichtung vom Leser, vom modernen Leser aus zu betrachten. Das heißt, sie verfechten keine wissenschaftliche Richtung, sondern fühlen sich zwei Größeren verpflichtet: Dem Leser und der Dichtung. Der Dichtung - also nicht jedem einzelnen Dichter oder Schriftsteller!
Wichtig erschien es, nicht nur darzustellen und das Dargestellte zu werten, sondern vor allem den Leser zu Vergleichen und zu eigenem Urteil anzuregen. Diesem Ziel dienen die Zitate und Gegenüberstellungen. Am Klang der Stimme erkennt man seine Bekannten; der halbwegs Musikalische weiß nach wenigen Takten, ob das Gespielte von Mozart oder Wagner ist. An der Sprachmelodie den Dichter zu erkennen, vermögen nur wenige. Und darauf käme es doch eigentlich an! Lesen bewußt zu machen, aus dem nur Lesenden einen sorgsam Auslesenden werden zu lassen. Lesen und Leben verschmelzen zu helfen -, dazu soll mit diesem Literaturführer ein wenig beigetragen werden.