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Geleitwort
Das neue Buch von William Johnston über den österreichischen Menschen stellt eine längst überfällige Aufgabe dar. Die Frage, ob Österreich eine eigene Nation, das österreichische Idiom nur ein Dialekt oder eine eigene Sprache, bzw. der Österreicher wesentlich unterschiedlich zum Deutschen ist, stellt einen langjährigen Streitpunkt dar, der nur teilweise zugunsten der Eigenständigkeit und der Eigenart Österreichs bzw. der Österreicher entschieden wurde.
Schon in der frühen Neuzeit wurde - wenn es politisch opportun war - die Eigenständigkeit der Habsburger Länder dem Hl. Römischen Reich gegenüber hervorgehoben; dies wurde meistens mit dem sogenannten Privilegium Malus begründet, einer Fälschung mit weitreichenden Spätfolgen. Die nationalstaatlichen Bestrebungen des 19. Jahrhunderts tendierten zwar ursprünglich dazu, die unterschiedlichen Länder des habsburgischen Herrschaftsbereichs wegen der Dominanz der österreichischen „Deutschen" zum Großteil dem Deutschen Bund zuzuschlagen, der verlorene Krieg von 1866 gegen den Mitbewerber um die Vorherrschaft in der deutschen nationalstaatlichen Bewegung führte aber zu einer Neuorientierung und staatlichen Neuorganisation der Habsburger Monarchie. Als Folge davon beschäftigten sich Historiker, Staatsrechtler, aber auch Literaten und Dichter vermehrt mit der Frage nach der eigenständigen Entwicklung der österreichischen Länder sowie eines österreichischen Menschentypus. Vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dann in der Zeit des Ständestaates wurde immer wieder versucht, die Unterschiede zwischen den „Reichsdeutschen" und den Österreichern herauszuarbeiten; teilweise wurde dies mit Klischees versucht, deren Bilder bis heute nachwirken, etwa wenn wir von pflichtbewussten, ordentlichen Deutschen im Gegensatz zu den etwas schlampigen, aber auch Normen freier auslegenden Österreichern sprechen.
Johnston zeigt nun anhand einiger bedeutender Dichter und Schriftsteller jene Entwicklung auf die den Typus des österreichischen Menschen entdeckt und weiterentwickelt hat. Ursprünglich die Abgrenzung zu den „Deutschen", später die Erkenntnis, in einem eigenen Kulturraum zu leben, der das Lernen voneinander dem Herrschen übereinander voranstellte, bilden die Inhalte der Texte, welche Johnston untersuchte und interpretierte; Texte, welche teilweise