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VON DEN PRIMITIVEN BIS ZU EL GRECO
Die ältesten Werle, die sich im Besitze des Prado befinden, sind Fresken, die aus der Kirche San Baudilio in Berlanga und der Eremitage Santa Cruz in Maderuelo stammen. Sie stellen ausgezeichnete Beispiele für die figurative Strenge der romanischen Kunst Spaniens dar. Bemerkenswert ist die Anlehnung an byzantinische und orientaUsche Motive mit ihrer fast abstrakt wirkenden Vorliebe für primitive Grundfarben und lineare Wiederholungen. Seit einigen lahren sind auch Werke - vor allem Altartafelbilder - hinzugekommen, welche den Übergang im 13. Jahrhundert von einer sh-engen zu einer mehr an das Gefühl appellierenden bildlichen Darstellung verdeutiichen. Insbesondere ein Altarvorderblatt mit dem hl. Stephan und ein Altargemälde des hl. Christopherus weisen bereits eine gotische Prägung auf, während die Konturen noch - nach romanischem Muster - linear sind.
Die Gotik ist im Prado mit verschiedenen hervorragenden Retabeln intematíonalen Stils vertreten. In ihnen verschmelzen sienesische und französische Motive, indem sie reizvolle kalligraphische Schnörkel, gezierte Posen und andere anmutige Details entfalten, wodurch die Romantik des Ritterwesens in die religiöse Sphäre versetzt wird. Werke wie die katalonischen Tafeln der Brüder Serra sowie das groiSe Altargemälde von Nicolás Francés stammen aus dieser Periode erlesener Eleganz.
Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts übte der von den Brüdern van Eyck vertretene flämische Realismus grolSen Einfluss auf die spanische Malerei aus. Jetzt traten die ersten spanischen Maler von universellem Ruf in Erscheinung. Die unerbittliche Objektivität eines Jan van Eyck oder eines Robert Campin gewann in den Gemälden vieler spanischer Künstier ein gewisses poetisches, ja fast expressionistisches Flair. Trotzdem erinnern die strenge Linienführung und die verschwenderische Anwendung von Gold nach orientalischem Vorbild unbestritten an die primitiven Meister. Der Prado ist im Besitz einiger bedeutender anonymer Werke sowie einiger Tafeln von Fernando Gallego aus der kastilischen Schule; außerdem finden sich Gemälde von Bartolomé Bermejo, der sich in Aragon der Malkunst widmete.
Pedro Berruguete nahm in Kastilien eine Sonderstellung ein und war ebenfalls stark durch die flämische Malerei beeinflusst, die zu jener Zeit in Kastilien tonangebend war. Seine Reise nach Itahen während der Hochrenaissance machte ihn mit der Maltechnik des Fiero della Francesca und des Melozzo da Forli vertraut und schenlcte ihm einen neuen Sinn für Raum und Dynamik. Er verlegte sich auf ausschmückende Details klassischer Motive und bahnte damit der Renaissance in Kastilien den Weg. In anderen Gegenden Spaniens fand eine ähnliche Entwicklung statt, die möglicherweise durch die Anwesenheit italienischer Künstler gefördert wurde. In Valencia zum Beispiel trug der anonyme Meister des Rittiers von Montesa, vermuflich der Italiener Paolo de Leocardio, entscheidend zum Durchbruch des neuen Stils bei.
In Valencia finden wir in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts, zur selben Zeit wie diese versuchsweise Einbeziehung neuer Elemente, das Werk von Ferdinand Yanez de la Almedina mit seinen starken Anklängen an Leonardo da Vinci und einem typisch venezianischen Farbenreichtum. Der Prado besitzt von diesem Maler unter anderem das bewundernswerte Werk Hl. Katherine. Aber so vielversprechend das 16. Jahrhundert auch begann, es brachte später nichts Gleichwertiges mehr hervor und wurde zu einer der unpersönlichsten Perioden der gesamten spanischen Malerei. Die andalusische Malerei, die besonders in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine enge Verwandtschaft mit der italienischen Kunstwelt zeigte, fehlt im Prado fast vollständig. Jedoch ist diese Periode durch Pedro Machuca vertreten, der in Itahen die Malkunst und viele Besonderheiten des Manierismus erlernte. Zu etwa derselben Zeit übten Vicente Masip und sein Sohn Juan de Juanes in Valencia die Malkunst aus. Ihre Werke erinnern an die florentinische und römische Malerei der Hochrenaissance, was besonders beim Vater und weniger stark beim Sohn zum Ausdruck kommt.
Zu jener Zeit bildete der aus der Estremadura stammende Luis de Morales unter Anwendung flämischer und leonardischer Elemente seinen eigenen Stil heraus. Der holländische Maler Anthonis Mor van Dashorst trug am Hofe Philipps II. wesentlich zum Aufi^au der Schule offizieller Porträtisten bei, in der sich besonders Sánchez Coello hervortat. Die Porträts dieses Künstlers verbinden eine sohde Objektivität mit der schlichten Eleganz in der Pose seiner Modelle und zeigen gleichzeitig einen gewissen venezianischen Einfluss. Der stilistische Einfluss Coellos auf die Nachwelt, der vor allem bei Pantoja de la Cruz und Bartolomé González zu spüren ist, reichte fast bis zur Zeit von Velázquez.
Zur selben Zeit war auch El Greco in Toledo tätig, doch in gewisser Weise isoliert von höfischen Kreisen. Er war 1577 nach Spanien gekommen, wahrscheinlich angezogen von der Möglichkeit, bei der Ausgestaltung des Escorial mitzuwirken. Aber sein Versuch, Gemälde für das Kloster von San Lorenzo de El Escorial zu schaffen, misslang; sein wunderbares von Philipp 11. in Auftrag gegebenes Werk Martyrium des hl. Mauritius, das dort zu sehen ist, wurde zwar großzügig bezahlt, doch abgelehnt. Im leidenschafthchen und gewissermaßen pessimistisch gefärbten Klima Toledos schuf El Greco eine ganz persönliche bildliche Welt von einzigartiger manieristischer Intensität, für die er als einer der bahnrechendsten Künstier seiner Wahlheimat gepriesen wurde. Die Königliche Sammlung enthält mehrere Porträts von seiner Hand, die Velázquez bekanntlich sehr schätzte. Als die Bestände des Dreifaltigkeitsmuseums in den Prado überführt wurden, kamen verschiedene reUgiöse Kompositionen El Grecos hinzu, und dank dieser und späterer Ankäufe und Schenkungen ist der Prado inzwischen ein idealer Ort zum Stiadium des kretischen Malers.