Bővebb ismertető
Statt eines Vorwortes
Wer den Plan zu erkennen sucht, welcher dem Aufbau der zweiten, umfangreicheren Hälfte des Jesajabuches zugrunde liegt, muß aus gehörigem Abstand auf das Ganze blicken. Andernfalls wird er sich in Einzelheiten, den in nicht geringer Zahl auftretenden literarkritischen Problemen und scheinbaren Retardierungen, wenn nicht gar Widersprüchlichkeiten der Komposition verHeren. Ein solcher Überblick darf als anerkanntes Ergebnis der Forschung ansehen, daß die Überlieferungsblöcke der Kapitel 24-27 und 36-39 ihre eigene Vorgeschichte besitzen.
So bilden die Kapitel 36-39 einen kaum vor dem vierten Jahrhundert v.Chr. aus dem Königsbuch übernommenen Anhang mit Erzählungen, in denen der Prophet Jesaja als vollkräftiger Mittler zwisdien König Hiskia und Jahwe, ja selbst als Heiler und Wundertäter erscheint. Für die Kenntnis der geschichtlichen Tätigkeit des Propheten sind diese Erzählungen bedeutungslos. Sie zeichnen ein Bild von dem zwischen Jesaja und den verantwortlichen Männern während der Krise des Jahres 701 bestehenden Verhältnis, das im Gegensatz zu dem steht, das aus den einwandfrei auf ihn zurückgehenden Worten dieser Zeit zu gewinnen ist. Dafür gewähren sie uns Einblick in die Erzählung spätvorexilischer und in den Glauben nachexilischer Kreise, die dem Propheten verehrend gegenüberstanden und denen die von Hiskia erkaufte Befreiung Jerusalems zum Paradigma des Gottvertrauens und zum Gegenbild der Ereignisse des Jahres 587 geworden war^.
Die in den Kapiteln 24—27 vereinigten eschatologischen und apokalyptischen Dichtungen gehen als die sogenannte Jesaja-Apokalypse durch die neuere alt-testamentliche Literaturgeschichte. Zeitlich dürften sie zwischen der zweiten Hälfte des 4. und dem ersten Drittel des 2. Jahrhunderts v. Chr. entstanden sein. Die aufeinanderfolgenden, die ganze Erde ergreifenden Katastrophen der Endzeit, die Besiegung der gottfeindlichen Mächte im Himmel, auf Erden und im Meer, die Not und Errettung des Gottesvolkes, die endliche Verherrlichung des Zion, zu dessen himmlischen König die Völker wallfahren, ja selbst die Auferstehung der Toten stellen hier die Themen. So bilden die Kapitel einen in sich geschlossenen eschatologischen Zyklus. Seine Motive haben es teilweise mit denen anderer vergleichbarer Texte gemein, daß sie nur im Blick auf ähnliche zu entschlüsseln sind. Damit werden wir auf eine Eigentümlichkeit aufmerksam gemacht, welche dem Leser des Jesajabuches nicht nur hier zu schaffen macht: Aus dem im Hintergrund stehenden Vorstellungsbereich von den Ereignissen der Weltenwende werden oft nur einzelne herausgegriffen. Dabei konnte einst offenbar vorausgesetzt werden, daß sie der Hörer oder Leser richtig zu deuten und einzuordnen verstand. Für uns ergeben sich dagegen an solchen Stellen oft fast unlösbare Probleme, weil wir uns
1 Vgl. dazu ausführlich S. 291 ff. 1 Kaiser, Jesaja 19—39