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Der Putsch in Moskau [antikvár]

Der Putsch in Moskau [antikvár]

 
Vorwort zur deutschen Ausgabe Der Putsch in Moskau hat uns alle bewegt. Wir haben die Geschehnisse zunächst mit Schrecken, Empörung und Verzweiflung, später mit Hoffnung und Freude mitverfolgt. Ob allerdings der für die Demokratie so glückliche Ausgang Bestand haben wird, ist noch offen. Noch können wir nicht sagen »Ende gut, alles gut«. Selten in der Geschichte hat ein gescheiterter Umsturz derartige radikale Umbrüche nach sich gezogen, wie wir sie seit dem August 1991 in der ehemaligen Sowjetunion beobachten. Da sich die...
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Vorwort zur deutschen Ausgabe Der Putsch in Moskau hat uns alle bewegt. Wir haben die Geschehnisse zunächst mit Schrecken, Empörung und Verzweiflung, später mit Hoffnung und Freude mitverfolgt. Ob allerdings der für die Demokratie so glückliche Ausgang Bestand haben wird, ist noch offen. Noch können wir nicht sagen »Ende gut, alles gut«. Selten in der Geschichte hat ein gescheiterter Umsturz derartige radikale Umbrüche nach sich gezogen, wie wir sie seit dem August 1991 in der ehemaligen Sowjetunion beobachten. Da sich die Situation in der neu gebildeten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) fast täglich wandelt und das Ergebnis des August 1991 durch neue Ereignisse überholt zu sein scheint, soll der Versuch unternommen werden, die damaligen Geschehnisse vor dem geostrategischen und geopolitischen Hintergrund zu relativieren und sie gleichzeitig historisch einzuordnen. Seit langem bestand ein festgefügtes und nur sehr langfristig wandelbares bipolares Mächtesystem, in dem sich eine »pax americana« und eine »pax soviética« entgegenstanden - im bedrohlichen Gleichgewicht gehalten durch das waffentechnische Vernichtungspotential. Zum anderen waren zwei unvereinbare Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme miteinander konfrontiert. Durch den Kollaps des sowjetischen Systems sind wir stärker den je zu produktiver Auseinandersetzung mit den vielfältigen Problemen der neuen Gemeinschaft aufgefordert. Es liegt auf der Hand, daß diese Veränderungen ganz entscheidende Auswirkungen auch auf das Leben im Westen haben. Dieser sieht sich plötzlich in der direkten Verantwortung, gemeinsam mit den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion eine neue Weltordnung mitzuformen. Das gewohnte und eingefahrene bipolare Denken geht dabei notwendigerweise über Bord. Auch die Ereignisse um den Putsch selbst verlangen eine differenzierte Betrachtungsweise. Der Ausgang des Umsturzes verbirgt ein Paradoxon und eine doppelte Ironie. Obwohl der Putsch mißlang, erfüllte sich im nachhinein eines seiner Ziele: die Entmachtung Präsident Gorbatschows. Zum anderen führten die weiteren Putschziele, Umkehr des Reformprozesses und Erhalt der Sowjetunion, zum gegenteiligen Er- gebnis; zur umfassenden Demokratisierung verbunden mit der Auflösung des Riesenreiches. In der Folge des gescheiterten Putsches hat sich bestätigt, daß sich Nationalismus allenfalls für kurze Zeit und nur gewaltsam unterdrücken läßt, auf Dauer aber nicht zu beseitigen ist. Der »homo sovieticus«, der Traum vom gleichgemachten sowjetischen Einheitsmenschen, existiert nicht mehr. Der »Sowjetmensch« sucht seine Identität in der Nation zu erkämpfen und zu festigen. So ist dieses Auseinanderbrechen des Imperiums eine Warnung, daß Vielvölker- und Kolonialstaaten - die Sowjetunion war ein anachronistisches Beispiel für beides - keine langfristige Überlebensbasis haben. Je später ein solcher Umbruch stattfindet, desto schmerzhafter und eruptiver sind die Begleiterscheinungen. Wie lang und schwierig dieser Prozeß der Auseinandersetzung sowohl mit nationalen als auch politischen Problemen sein wird, zeigen die jüngsten Ereignisse, die nach der Zusammenstellung des Buches in Moskau zu beobachten waren. Am 12. Januar 1992 fand auf dem Manege-Platz in Moskau, vor der Kremlmauer eine Kundgebung von ungefähr 50000 Neo-Bolschewiken statt. Aufgerufen dazu hatten die Organisationen »Trudowaja Moskwa« (Das Werktätige Moskau) und »Naschi« (Die Unsri-gen). Unter dem Motto »Alle Macht dem Volk« forderten die Demonstranten die Wiedererrichtung der alten Sowjetunion und die Rücknahme der Preisfreigabe und der damit verbundenen Preiserhöhungen. Es wurde auch gefordert, die Putschisten, insbesondere Wladimir Krjutschkow und Gennadij Janajew, zu Nationalhelden zu erklären und Michail Gorbatschow und die anderen »Verräter« vor ein Militärgericht zu stellen. Die Teilnehmer der Kundgebung riefen offen zum Aufstand und zum Sturz von Präsident Jelzin auf. Hauptinitiatoren dieser Kundgebung waren die führenden Köpfe der »Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei« und des wiedererstandenen Komsomol. Diese Demonstration vom 12. Januar muß als ernste Warnung verstanden werden, daß die Möglichkeit eines neuen Umsturzversuches nach dem Muster des August-Putsches besteht. Diejenigen Schichten der

Termékadatok

Cím: Der Putsch in Moskau [antikvár]
Kiadó: Insel Verlag
Kötés: Fűzött keménykötés
Méret: 190 mm x 250 mm
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