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Das Geheimnis des Schlorfers
Auf einem Höhenrücken am Rande des Mainhardter Waldes liegen das Städtchen und die Burg Maienfels. Dort hauste jahrhundertelang, urkundlich verbürgt, ein seltsamer Geist: der »Schlorfer«. Des Nachts schlorfte er nicht nur durch die Burg, sondern auch durch den Ort Maienfels. Dabei gingen ihm ab und zu ein Paar Sandalen kaputt. Dann wartete er darauf, daß ihm irgend jemand ein paar neue herausstelle. Geschah das nicht, konnte er böse werden, sonst aber blieb er friedlich.
Näheres über den Schlorfer weiß eigentlich niemand. Vielleicht noch, daß er durch die Wände gehen konnte und daß er einst ein Kapuzinermönch gewesen sein soll. Jedenfalls fürchteten sich die Maienfelser manchmal ganz arg vor ihrem »Schlorfer«, obwohl dieser, wie sich noch zeigen wird, durchaus nicht zu den bösen Geistern gehörte.
In den letzten Jahren wurde es allerdings stille um den Schlorfer. Niemand hat ihn mehr gesehen oder gehört. Will er sich den Menschen unse-
rer Zeit nicht mehr zeigen oder wurde er erlöst, wie dies ja bei Schloßgeistern des öfteren der Fall sein soll? Wer weiß das genau?
Wenn der volle Mond die Gemäuer der alten Burg Maienfels mit seinen Strahlen in ein magisches Licht hüllt, dann erscheinen leise die guten Geister des Mainhardter Waldes, die Wurzelzwerge, Gnome und Blütenelfen. Sie steigen empor aus den Wurzeln der Bäume, aus den Felsbrok-ken des Waldes, aus dem Rappenbächle und aus den Blumenwiesen des »Burgfriedens«, wie das Land um die Burg heute noch heißt. Sie steigen empor aus den Nebeln und flüstern sich seltsame Geschichten zu, Geschichten vom Schlorfer, der einst von weit her zu ihnen gekommen war und der ihnen sein Geheimnis anvertraut hatte. Und wer es versteht, den Naturwesen recht zu lauschen, den weihen sie ein in das rätselhafte Geschehen um den Schlorfer von Maienfels, dem erzählen sie die Geschichte von dem geheimnisvollen Ritter, der einst zu großen Taten auszog und - an seinem eigenen Ehrgeiz zerbrochen -als Kapuzinermönch zurückkam und zum Schlorfer wurde, zum Schlorfer von Maienfels . . .