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Bevor mir der Kopf zerspringt
Ich lebe. Oft ist das nicht leicht. Gestern morgen kam wieder ein Journalist zu mir: ich kenne sie jetzt schon recht gut. Sie setzen das richtige Gesicht auf, sie sind betroffen, aber fragen immer weiter. Sie schauen sich alles rasch an, stossen eine Tür auf, wollen Informationen. Das Unglück hält sie nicht zurück, denn so ist ihr Beruf. Sie erinnern mich an die Leute Pinkerts, des «Totenkönigs», die im Getto die Toten der Nacht von den Gehsteigen auf kleine Wagen luden: Kinder in Lumpen mit geschwollenen roten Knöcheln, Männer, denen man die Kleider ausgezogen und die man mit Papier bedeckt hatte, kleine Mädchen, denen niemand die graue, abgenutzte Puppe wegzunehmen gewagt hatte. Die Pinkertleute mit den tief über die Augen gezogenen Mützen, den weißen Armbinden mit dem Davidstern am rechten Arm taten ihre Arbeit. Sie hoben die Leichen auf, legten sie übereinander auf die Karren und brachten sie zum Friedhof ins Massengrab. Sie sprachen miteinander. Manchmal, wenn es ihnen gelungen war, ein Stückchen Brot, das nach Gips schmeckte, zu ergattern, waren sie glücklich. Sie pfiffen vor sich hin, riefen einander von einem Karren zum anderen zu. Die «Blauen», die polnischen Polizisten, die nicht zögerten, Kinder umzubringen, begriflfen die Pinkertleute nicht. Sie schüttelten den Kopf voll Verachtung und Abscheu. «Judenschweine», sagten sie und ließen die quietschenden Karren mit den übereinandergeschichteten starren und mageren Leichen ohne allzustrenge Kontrolle passieren.
Der Journahst, der gestern morgen kam, war nicht wie die andern. Er versuchte mir zwar mit Notizblock und Tonband etwas vorzumachen, doch er saß da vor mir, unbeweglich, wie gelähmt, wagte kaum, mich anzuschauen, sprach mit leiser Stimme, schlich auf Zehenspit-