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ERSTES KAPITEL
Die Geburt eines Dauphins
Eines Nachmittags Anfang Dezember 1637 trabte ein Trupp Reiter, von Soldaten eskortiert, aus dem Haupttor eines kleinen Landschlößchens in Versailles-au-Val-de-Galie. Zaumzeug und Sattel eines der Pferde waren mit Silber beschlagen, den blauen Brokat der Schabracke zierten weiße Königslilien. Doch der Mann, der es ritt, war einfach gekleidet, ohne Spitzen an Ärmeln und Kragen. Mit seinem schlichten Soldatenmantel, den hohen Stiefeln, dem schwarzen Hut mit Federbusch hätte man ihn für einen Offizier der Armee halten können, wäre er von den anderen nicht mit Sire angesprochen worden.
Nach einem Ritt von acht Meilen zwischen Apfelbäumen und Teichen über flaches, waldiges Land passierte der Trupp das Stadttor von Paris, ritt zwischen zwei grauen Steinbauten hindurch: der neuen Abtei von Port-Royal und dem Benediktinerkloster Val de Grâce, einer Lieblingszuflucht der Königin von Frankreich, die Rue St. Jacques entlang, am Palais Luxembourg vorbei, das die verbannte Königinmutter, Maria von Medici, erbaut hatte, und überquerte schließlich die Seine auf einer hölzernen Brücke, auf der sich die Buden drängten. Beim Hôtel de Ville wandten sich die Reiter ostwärts dem Viertel zu, das immer noch Marais, der Sumpf, hieß. Der letzte König, Heinrich IV., hatte ihn trockengelegt, und nun war er die vornehmste Gegend von Paris. Die Hufe klapperten auf dem Pflaster der Rue St. Antoine, die an einer Reihe hübscher neuer Backsteinhäuser entlangführte. Fast am Ende der Straße, schon in Sichtweite der Bastille mit ihren acht Türmen, machte der Trupp vor einem der Häuser halt. Es sah aus wie die anderen, nur hatte es Eisengitter vor den Fenstern. Einer der Reiter stieg ab und klopfte an die Pforte. Sogleich öff'nete sie sich einen Spalt, und das Gesicht einer Frau erschien. Der Reiter meldete den Namen des Besuchers.