Bővebb ismertető
Die ungarischen Künstler am STURM
Auf die Anfrage -Wer ist der STURM?» gab der Dictiter August Stramm (nach einer Mitteilung von Lothar Schreyer) die Antwort: «Der STURM ist Herwarth Waiden.»
Der STURM war eine von Herwarth Waiden 1910 begründete Kunstausstellung, ein Verlag und eine Zeltschrift. Der STURM war (dem eigentlichen Sinn des Wortes nach) die Ökumene der Avantgarde, der Sammelort aller Richtungen und Sekten, die sich gemeinsam zur Religion der Moderne bekannten. Der Prophet dieser Religion, die sich ursprünglich ganz allgemein expressionistisch nannte, war Herwarth Waiden, und der STURM wurde zur Ouvertüre einer tragischen Oper, in der sich später die auf Zelt Verbündeten wieder trennten und bekämpften. Im STURM trafen sich FUTURISTEN, KUBISTEN, EXPRESSIONISTEN, DADAISTEN, KONSTRUKTI-VISTEN, Vertreter anderer Formen der geometrischen Kunst, Bauhaus, Künstler aus den Gruppen NOVEMBER-GRUPPE, MA, DE STIJL, DER BLAUE REITER, ZENITH usw. - auch Aussenseiter, wie Chagall, Brancusl, Otokar Goubine, Béla Kádár, Schrimpf, Klee, Feininger usw.; - sie lernten sich kennen, konnten sich gegenseitig bestätigen, einander beeinflussen oder ablehnen. Das grosse Verdienst von Waiden ist u.a., dass er sich gegen die dogmatische Erstarrung und die Ideologie einzelner Künstler-Gruppen stellte, und er bekämpfte - oft selber in einer mystizistischen und chaotischen Sprache - die Formulierungen der anderen. Er schreibt 1917: «Jede Formulierung ist unwichtig. Wichtig ist, zu sehen. Wichtig ist, zu fühlen »
Der erste ungarische Künstler, dessen Name beim STURM auftaucht, scheint Alfréd Réth zu sein (erste Ausstellung 1913, erste Reproduktion 1927); eindeutig ist die Beziehung der von Lajos Kassák redigierten Zeitschriften TETT und MA zum STURM. Kassák war zu jener Zeit die führende Persönlichkeit der ungarischen Avantgarde, er nannte sich selber einen Aktivisten und seine Bewegung: AKTIVISMUS, seine Werke: BILDARCHITEKTUR. Die erste Ausstellung von Kassák fand im STURM 1922 statt und in der Zeit-
schrift wurden Werke von ihm des öfteren abgebildet; sein MA-Buch erschien 1923 im STURM-Veriag. Als zentrale Figur der Gruppe MA hatte Kassák auch persönliches Gewicht bei Waiden (wie auch bei Marinetti, Mondrian und anderen). Von den anderen ungarischen Künstlern war Mattis-Teutsch 1918 vom STURM abgebildet und 1921 ausgestellt; Péri 1921 ausgestellt und erstmals abgebildet, im Jahr 1922 erschien im STURM-Veriag seine berühmte Linolschnitt-Mappe. Moholy Nagy wurde das erste Mal 1921 abgebildet und lernte anlässlich seiner Ausstellung im STURM 1922 Gropius kennen, der ihn damals ins Bauhaus einlud. Ebenfalls im STURM erschien 1922 das bedeutende Manifest; «Dyna-misch-konstruktives Kraftsystem» von László Moholy Nagy und Alfréd Kemény. Die folgenden ungarischen Künstler wurden im STURM ausgestellt und in der STURM-Zeitschrift abgebildet: Bortnyik (1922), Kádár (1923), Bernáth (1923), Nikolaus Braun (1924), Scheiber (1924), Ebneth (1926), Hincz (1929). Es waren ferner die Künstler Nemes Lampérth, Ruttkay und Henri Nouveau mit dem STURM in Verbindung getreten.
Ferner wurden in der STURM-Zeitschrift Texte von folgenden ungarischen Autoren veröffentlicht; Déry, Hatvany, Karinthy, Keleti, Palasowsky, Szini, Turcsányi und Vámbéry.
Der STURM gab der ungarischen Avantgarde in schweren Zeiten Gelegenheit, Beziehungen zur Welt aufzunehmen und auszubauen.
Carl Laszio, Basel 1983