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3. AprilSeinem Aussehen nach hätte Captain Larry Nelson das Idol seiner Generation sein können, wenn der Ausdruck seiner hellblauen Augen, die in merkwürdigem Kontrast zu seinem dunklen Haar standen, etwas weniger streng gewesen wäre. Dabei besaß er ein glückliches Naturell und war erst dreißig Jahre alt, aber eine unglückliche Ehe und ein seit über zwei Jahren währender Einsatz als Pilot der US Air Force in Vietnam hatten ihn ernst und einsilbig werden lassen. Das schlechte Verhältnis zu seiner Frau setzte ihm allerdings mehr zu als der Fronteinsatz, den er freiwillig übernommen und zum zweitenmal verlängert hatte. Für ihn war die fast tägliche Bombardierung des Ho-Chi-Minh-Pfa-des zur Routinesache geworden, wenngleich er nach wie vor darunter litt, jeden Morgen, gewissermaßen zum Frühstück, etliche Menschen in das Jenseits befördern zu müssen. Doch was half es? Die im Erdkampf eingesetzten Kameraden benötigten tatkräftige Unterstützung."Würde Captain Nelson sich nicht aus kameradschaftlichen Gründen verpflichtet gefühlt haben, den Ho-Chi-Minh-Pfad so oft wie möglich anzugreifen, dann hätte er Vietnam längst verlassen. Aus vielerlei Gründen. So aber blieb er und litt insgeheim unter dem, was er tat, denn er empfand Mitleid mit dem gepeinigten Volk, dessen Dörfer und Städte von Regierungstruppen, Vietkongs und Amerikanern beschossen und bombardiert wurden.Nun zählte Captain Nelson nicht zu den Menschen, die mit den Realitäten des Lebens nicht fertig werden. Im Gegenteil, er betrachtete alles sehr nüchtern; doch das hinderte ihn nicht daran, auch sein Herz sprechen zu lassen. Und das spürten seine Kameraden. Sie maditen ihn deshalb zum Schiedsrichter ihrer kleinen Streitigkeiten, und seine besonnene Art machte ihn allgemein beliebt. So war es nicht verwunderlich, daß die Bordwarte desJagdbombergeschwaders, dem er angehörte, untereinander darin wetteiferten, ihm bei den Startvorbereitungen durch kleine Handreichungen behilflich zu sein.Das taten sie auch an jenem glasklaren Frühlingsmorgen, der Larry Nelsons Leben in eine völlig neue Bahn lenken sollte.Einer der Monteure rückte den Sitz der Schwimmweste zurecht, die auch bei Flügen über Land getragen wurde, weil im Notfall versucht werden mußte, Rettung im Südchinesischen Meer zu finden; ein zweiter zog die Gurte seines Fallschirms nach, und ein dritter war ihm beim Einsteigen in den nicht gerade modernen Jagdbomber Skyraider behilflich.Als er sich angeschnallt hatte, blinzelte er den vor der Tragfläche stehenden Bordwarten zu. Let's go!Good luck! riefen sie zurück.Und nicht vergessen, daß heute Napalm unter der Kiste hängt, ermahnte ihn der Waffen-Sergeant.Wieder einmal Napalm, dachte Captain Nelson bedrückt, während er den Netzschalter betätigte, die Zündung einschaltete und mit dem Zeigefinger der erhobenen rechten Hand eine kreisende Bewegung andeutete. Gleich darauf begann der Propeller sich schwerfällig zu drehen, und dann sprang der Motor unvermittelt mit lautem Getöse an.Der Captain setzte seinen Fliegerhelm auf, schloß das Kabinendach, stimmte das Funksprechgerät ab und rief die Kontrollstation, um sich die Startgenehmigung geben zu lassen. Dann gab er Gas und rollte davon.Dabei erinnerte er sich an den unter dem Flugzeugrumpf hängenden Aluminiumbehälter, dessen gallertartige Masse sidi in eine schaurige Feuerwalze verwandeln sollte.In seinem Kopfhörer knackte es, und nach wenigen, mit der Flugüberwachungsstation gewechselten Worten rollte Larry Nelson in die Startbahn ein, richtete die Maschine aus und gab Vollgas. Mechanisch tat er es. Wie im Schlaf beherrschte er die Skyraider, die den Zweiten Weltkrieg schon erlebt hatte, ihrer robusten Bauweise wegen jedoch erneut eingesetzt wurde.Der schwerbeladene Jagdbomber hatte sich von der Piste kaum abgehoben, da drüdcte der Captain auf den Sprechknopf seines Funkgerätes, um sich abzumelden. Da Nang Tower, rief er, hier ist Yankee, Alfa Six, Six, Seven. Fliege Einsatz Three, One, Two. Ende. Die Flugkontrollstation bestätigte die Mel-