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Persönliches Vorwort
Helene Etminan
Im Sommer 2002 verstarb sehr plötzlich der Sohn einer Freundin. Noch ziemlich unter Schock rief sie an und fragte, ob ich am nächsten Tag kommen wolle, um mit ihren Freunden und Verwandten eine kurze Andacht zu halten und ein Gebet zu sprechen. In diesem Zusammenhang erzählte ich ihr vom Tibetischen Totenbuch und auch davon, dass im Holistic Yoga Zentrum München eine Kurzfassung existieren würde, die ich gern ihrem verstorbenen Sohn vorlesen wolle. Sie stimmte zu und danach trafen wir uns mehrere Male mit Freunden und Angehörigen zu einer gemeinsamen „Andacht", bei der ich den Text vortrug.
Aber mit diesem Text war es nicht so einfach! Ich hatte ihn schon einige Male für Verstorbene vorgelesen, aber dabei war ich allein. Diesmal war es eine Gruppe und das brachte gewisse Schwierigkeiten mit sich. Die Zuhörer hatten viele Fragen zum Text, also musste ich wiederholt einleitende Erläuterungen geben, damit sie trotz der Fremdartigkeit des Textes doch im Wesentlichen begreifen konnten, worum es eigentlich ging. Glücklicherweise waren sie offen für spirituelle Dinge und auch für andere Religionen. Eine weitere Schwierigkeit betraf die hoch-komprimierte Sprache des Textes. Da Verstorbene im Nach-Tod diese Erfahrungen selbst machen, sind sie viel besser in der Lage, den Text zu verstehen, als lebende Personen. Für einen gerade Verstorbenen würde dieser Text also kein Problem darstellen, wohl aber für die Zuhörer. Also schob ich Sätze dazwischen, erläuternde, füllende, verbindende, die der besseren Verständlichkeit dienten. Eine noch viel größere Schwierigkeit aber stellten die Textstellen dar, in denen es um das Leiden eines Verstorbenen geht, das er als Folge seiner nicht guten Handlungen nun im Nach-Tod hinzunehmen hatte, die ständige Wiederholung genau des Leidens, das er anderen zugefügt hatte und nun selbst erfahren musste. Das Tibetische Totenbuch ist nicht gerade zimperlich, wenn es um die Aufzählung von Erfahrungen geht, die wir zwischen Tod und Wiedergeburt machen. Im dortigen Kulturkreis sind die Menschen mit diesen Vorstellungen vertraut, für uns hier sind sie vielfach schockierend. Unkenntnis, gemischt mit der christlichen Hoffnung auf einen verzeihenden Gott, weckt in vielen Menschen die Vorstellung von einer eher gradlinigen