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Die Stadt vordem DeltaAls er aufwachte, war es schon dunkel.Über dem Bett hing, zusammengeknüpft wie immer, das Moskitonetz. Die Luft im Zimmer war stickig, dumpf, als habe sich die ganze Schwüle und Feuchtigkeit des Tages mit Sonnenuntergang hierhergeflüchtet. Mit ihnen waren auch der Schlammgeruch des Mekongdeltas, der strenge, beißende Gestank aus den Fischhallen, die fade Süße von abgestandenem Zuckerrohrsaft, der Dunst von Schweiß, Räucherstäbchen, Tabak und Suppengewürzen, Kampferholz, Urin und Insektenpulver hereingezogen. Ein paar Geckos hingen bewegungslos an der Zimmerdecke. Sie wirkten wie wahllos hingeklebte Scherenschnitte.Durch die mit Drahtgaze bespannten Fenster drangen das Geschrei der Eisverkäufer und der Suppenköche, die Musik aus dem Salon gegenüber und das Plärren eines Neugeborenen. Auf dem Gang vor der Tür plapperten die Hausmädchen. Um diese Zeit hatten sie wenig zu tun. Sie hockten auf dem Steinfußboden an den Gittern zum Innenhof und erzählten sich Episoden aus amerikanischen Filmen, die im World" oder im Cinema Palace" liefen: Paul Newman und die süchtige Diva Geraldine Page, Shirley MacLaine als Nonne und Liz Taylor mit dem römischen Eroberer. Diese Mädchen waren einfältige, ungebildete Bauerntöchter von der Küste. Sie arbeiteten für wenige Piaster die Woche im Aparte-ment House der Frau Quang. Die alte, geschäftstüchtige Witwe hatte ihnen eingeredet, die Viet Cong rösteten sie wegen ihres katholischen Glaubens bei lebendigem Leibe, falls sie jemals in ihre Heimatdörfer zurückkehrten. Hier fühlten sie sich wie Haustöchter. Sie9