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Kaiser Karl hat mich, sooft ich ihm ein Memoirenwerk der Nachkriegszeit vorlegte, gefragt, ob nicht auch ich meine Erinnerungen der Öffentlichkeit übergeben wolle. Und der Kaiser hal an diese Frage jedesmal die Mahnung gereiht: Erinnerungen sollten nicht der Verteidigung einer bestimmten Person, sondern der Wahrheit dienen. Das Streben nach Wahrhaftigkeit leide unter den unabweishchen Rücksichten auf bestimmte Personen und Verhältnisse. Um so mehr müsse man die Rücksicht auf die Person ausschließen, deren Leben und Wirken dargestellt werden solL Die Eigenliebe erschwere aber die getreue Wiedergabe des eigenen Wirkens, die Unmöglichkeit, sich ganz in die Geistes- und Gefühlswelt eines andern Menschen hineinzudenken, mache Werke über das Leben anderer Personen unvollkommen. Und auf die Frage nach meinen Absichten zurückkommend, scherzte der Kaiser: ,,Sie hätten es leicht, über mich zu schreiben. Sie sind während meiner ganzen Regierungszeit an meiner Seite gestanden und darüber hinaus in meinem Unglück, das mitteilsam macht." Ich lehnte den Gedanken, Erinnerungen zu publizieren, gewöhnlich mit der Begründung ab, daß jedes Lob des lebenden Herrschers eine Liebedienerei, jede solche Kritik eine Taktlosigkeit wäre. Und", so schloß ich, die Jugend Euerer Majestät macht es mehr als wahrscheinlich, daß ich nicht den Tod meines Kaisers zu betrauern haben werde."Es ist anders gekommen.Kaiser und König Karl ist am L April 1921 im 35. Jahre seines Lebens auf Madeira gestorben.Seiner Mahnungen eingedenk, bringe ich nun einige meiner Erinnerungen zu Papier.Dem milden Sinn des Kaisers entspräche es wohl, wenn ich an niemandem ihn ausgenommen Kritik übte. Das ist aber nicht zu vermeiden. Schon in der Einführung bestimmter Personen in die Darstellung liegt eine Kritik ihrer Handlungen oder Unterlassungen. Zudem: Wer den Mut hatte, für oder gegen einen