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V O R W O R T
WIE ICH DAZU KAM, DIES BUCH ZU SCHREIBEN
Amsterdam, am 9. Oktober 1669 Im Hause ,,De Houttuyn" Gestern haben wir ihn begraben. Den schrecklichen Vormittag werde ich nie vergessen. Der Regen, der seit Anfang des Monats herabströmte, hatte aufgehört. Wie ein düsteres Leichentuch legte sich kalter trü« ber Nebel über die ganze Stadt. Die Öde in den Straßen schien von der Nutzlosigkeit menschlichen Trachtens zu sprechen. Schweigsam stand die kleine Schar Leidtragender neben dem Kirchenportale und erwartete die Ankunft des Sarges.
Vergangenen Freitag, wenige Stunden vor seinem Tode, als das Be« wußtsein auf kurze Zeit zurückkehrte, hatte er mir seinen Wunsch zugeflüstert, neben Saskia zu ruhen. Er wußte wohl nicht mehr, daß er ihre Grabstelle schon längst verkauft hatte, damals, als Hendrickje dahinging, er ohne Heller dastand und die Familiengruft in der Alten Kirche losschlagen mußte, um einen Platz für seine zweite Frau kaufen zu können. Ich versprach ihm, mir alle Mühe zu geben; natür« lieh ließ sich aber ein solcher Wunsch gar nicht erfüllen. Ich bin froh über diese meine Notlüge, denn nun schlummerte er hinüber in der festen Überzeugung, bald werde alle Not überstanden sein und sein Staub sich mischen mit dem des Weibes, das seine Jugendliebe war. Drei Tage später meldete sich Magdalene van Loo. Ich hatte mich nie um sie gekümmert. Ich hatte sie gemein, eifersüchtig und jämmer< lieh gefunden; um ihres Schwiegervaters und des armen Burschen willen, den sie geheiratet hatte, zwang ich mich zur Freundlichkeit. Sie erzählte mir eine langweilige Geschichte von barem Gelde, das augenscheinlich Cornelia und ihr gehörte. Immer wiederholte sie die* selben Sätze: „Gewiß hat Vater vor seinem Tode von dem Gelde
2 van Loon, Rembrandt Q