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Vorwort
Die Flut der bürgerlichen Literatur über die Judenfrage ist noch immer im Steigen. Scheinbar sind noch nicht alle Varianten dieses ergiebigen Themas ausgeschöpft. Auch Entdecker altbekannter Geheimnisse stellen sich immer wieder mit Pünktlichkeit ein.
Dieses Buch ist keine Variation über ein bekanntes Thema. Das Thema selbst ist neu. Es wird hier der Versuch unternommen, eine bistorisch-materiahstische Darstellung des Gesamtproblems der Judenfrage zu geben.
Dio marxistische Literatur besitzt eine Reihe bruchstückaitiger Arbeiten zur Judenfrage. Seit der Zeit, da der junge Marx mit seiner genialen Fragestellung den Kern des Problems traf, wurden immer wieder, aus verschiedenstem Anlaß, aus theoretischem wie praktischem Bedürfnis der Arbeiterbewegung, Untersuchungen einzelner Teilfragen, aber auch der grundlegenden Begriffe angestellt. .4n einer zusammenfassenden, perspektivischen Erörterung der Judenfrage vom proletarischen Standpunkt hat es jedoch bisher gemangelt.
Man stellte die Frage, ob die Juden eine Nation seien; man diskutierte den Rassenantisemitismus; Karl Kautsky, der sich auch zur jüdischen Rassenfrage später noch ein letztes Mal als Materialist äußerte, tat einen Schritt — aber auch nicht mehr — in der Richtung auf die materiaüstische Aufrollung der altjüdischen Geschichte; vor allem wurden die soziale Lage der Juden und die jüdische Arbeiterbewegung Osteuropas erörtert.
In der Diskussion, die innerhalb der Vorkriegssozialdemokratie über die nationale Frage geführt wurde, haben Lenia und Stalin gegenüber dem „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund" (Bundisten) und den Austromarxisten Otto Bauer und Karl Renner auch das jüdische Problem aufgerollt. Sie haben, ohne sich jemals mit