Bővebb ismertető
Einleitung
Von keinem Kulturvolk kennen wir die wirklichen Anfänge seiner erzählenden Dichtung und ihre Entwicklung in den langen Zeiten mündlicher Tradition. Um uns davon eine ungefähre Vorstellung machen zu können, sind wir auf Beobachtungen bei den heutigen Naturvölkern angewiesen. Vieles scheint dafür zu sprechen, daß als primitivste Form des Erzählens an allem Anfang das Märchen steht mit seinem an keinen Ort und an keinen Zeitablauf gebundenen Inhalt. Als Beispiel setze ich die natur-mythologische Märchenfabel eines Indianerstammes hierher, wie sie Wilhelm Wundt in seiner Völkerpsychologie^ etwas verkürzt wiedergegeben hat: »Vor langer Zeit war das Baumharz ein Mann. Der ging, da er die Sonnenwärme nicht ertragen konnte, des Nachts, Fische zu angeln, und hielt sich am Tag im dunklen Walde verborgen. Einmal aber verspätete er sich, da schmolz er unter den heißen Strahlen der Sonne. Nun beschlossen seine beiden Söhne, sich an der Sonne zu rächen. Sie nahmen ihre Bogen und Pfeile und schössen mit diesen so lange nach dem Himmel, bis die Pfeile, von denen jeder folgende im vorangegangenen steckenblieb, eine Leiter bildeten, auf der sie zum Himmel kletterten. Hier töteten sie die Sonne . . .« Hier haben wir die typischen Kennzeichen primitiver Märchendichtung: die Beseelung der Naturgegenstände, die Herabziehung der Himmelsvorgänge ins Kleine, das Vorwiegen des Zaubers, das Fehlen jedes »moralischen« Hintergedankens.
Auch in den Sammlungen antiker Fabeln findet sich noch das eine oder andere uralte Motiv, das auch in der Durchführung - wenn nicht alles täuscht - noch etwas von der echten Primitivität des Erzählens an sich trägt, aus einer allem Literarischen weit vorausliegenden Zeit. Man nehme einmal zum Vergleich die großartige Märchenfabel von dem Adler, der die wehrlosen Jungen des Fuchses auffrißt und dann erleben muß, wie dieser es ihm schauerlich heimzahlt (vgl. S. 36). Mit Recht hat Otto Crusius darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser
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