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VORWORT
Angeblich stirbt der Wald. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht mit neuen Meldungen dieses Klischees der Medien versorgt werden. Aber der Wald wird nicht sterben. Auch wenn er von unseren modernen Giften arg geplagt wird, so hat er doch in seiner Geschichte schon härtere Bedrohungen überstanden. Der Wald ist schon viele Tode gestorben und hat immer wieder neu »ausgeschlagen«, wie es in der Sprache der Biologen so schön heißt. Bis jetzt ist das Waldsterben vor allem ein Phänomen der Medien und der Statistik, der Wald selbst ist dagegen höchst lebendig. Wer diesen lebendigen Wald nicht kennt, nichts weiß von seiner schillernden Geschichte, der sollte auch nicht seinen Tod beschwören.
Der Wald ist ein Phänomen, das wir oft vor lauter Bäumen, vor dem begehrlichen Blick auf sein Holz, nicht mehr in seiner Vielfalt erleben. Der Wald ist aber das letzte Stück Wildnis, das uns geblieben ist, unser letztes großes Biotop. Und es ist auch nicht wahr, daß die Förster unsere Wälder in reine Plantagen aus Fichten oder Kiefern verwandelt hätten. Der wirkliche Wald schwankt zwischen Wildnis und Monokultur, zwischen biologisch reichem Mischwald und einem artenarmen Forst.
So handelt dieses Buch vor allem vom lebendigen Wald, der freilich voller Konflikte steckt: zwischen Laub- und Nadelbäumen, Natur- und Wirtschaftswald, Romantikern und Realisten. In vier Kapiteln variieren wir dieses Grundthema mit vielen Beispielen. Der
Wald zwischen Mythos und Realität, das ist die Erinnerung an den Wald der Märchen und der Dichter, an die Emotionen unter Bäumen, die allzu oft mit dem wirklichen Wald nichts mehr gemein hatten. Im Abschnitt über die Forstwirtschaft wird zunächst die Geschichte des Waldes aufgerollt. So erst wird verständlich, warum der Nadelwald den alten Laubwald der germanischen Bauern abgelöst hat, und wieso bis heute in der Forstwirtschaft die Anhänger des Mischwaldes mit der Nadelholzfraktion im Konflikt liegen. Höchst lebendig wird es im Kapitel über Biologie: am Beispiel der Waldweiher, der Schmetterlinge und Singvögel, vor allem aber an dem »biologischen Wunder« Eiche soll der Wald in seiner ökologischen Verflechtung anschaulich werden. Ein »Streifzug« durch naturnahe Wälder, vom Sachsenwald bei Hamburg bis zum Wiener Wald rundet das Buch ab. »Unser« Forst jedoch war vor allem der »Altdorfer Wald« in Oberschwaben. In diesem Musterbeispiel eines europäischen Waldes sind die meisten Bilder entstanden und haben wir die meisten Informationen erhalten. Ein Wald als Modell schien uns interessanter als eine vage Reise durch die vielen deutschen Wälder. Die kann jeder für sich in seinem Wald besser nachvollziehen. Vielleicht wird dieses Buch dafür Anreiz und Wegweiser.
Ich widme dieses Buch Guido K., der mich den besonderen Reiz der Wälder entdecken ließ. Rudi Holzba-ger