Bővebb ismertető
ANMERKUNGEN ZUR ÜBERSETZUNGDer Weg und die Kraft ist eine neue Übersetzung des zweieinhalb Jahrtausende alten chinesischen Klassikers Tao Te King von Laotse, einem Philosophen aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert. Meine Übersetzung folgt dem Urtext so wörtlich wie irgend möglich, ohne das Beiwerk von Reim und poetischer Umschreibung. Neben jedem übersetzten Kapitel ist der entsprechende Urtext mitabgedruckt, um dem an dieser ungewohnten, aber sehr schönen Schriftsprache interessierten Leser die Möglichkeit zu geben, in die chinesische Originalfassung einzudringen und sich in ihr, selbst ohne vorherige Kenntnis der Schriftzeichen, zurechtzufinden.Das alte Chinesisch ist eine dunkle, paradoxe Sprache. Es kennt kein Aktiv oder Passiv, keinen Singular oder Plural. Beinahe jedes Wort kann in der jeweiligen Aussage sämtliche grammatischen Funktionen übernehmen. Es ist Aufgabe des Übersetzers, für den I-eser die diesbezüglichen Unterscheidungen festzulegen und die bestmögliche Wahl zu treffen, die der Übertragung des Werkgehalts am ehesten gerecht wird.Um die Sprödheit der Übersetzung etwas abzumildern und den Sinn der Texte deutlicher herauszustellen, wurden die Kapitel-Zeilen in einer typographischen Anordnung dargeboten, die den Eindruck und den Rhythmus des Originals wenigstens ansatzweise vermitteln soll. Altchinesische Texte haben keine Interpunktion, und wieder ist es Aufgabe des Übersetzers, die Grundgedanken so voneinander abzugrenzen, daß sie dem Leser faßlich werden. Obwohl die 81 Kapitel im Urtext keinen Titel tragen, habe ich jedes mit einer Überschrift versehen, die auf die jeweilige Thematik verweist, von der die Rede ist. Traditionell gliedert man das Tao Te King in zwei Teile; der zweite Abschnitt beginnt mit Kapitel 38. Das Wort Tao (Aussprache: Dau) habe ich nicht übersetzt, da es ein Begriff ist, der westlichen Lesern immer vertrauter wird. Häufig wird es mit der Weg übersetzt, aber dieser Ausdruck gibt nicht die eigentliche Bedeutung von Tao wieder; genaugenommen bedeutet es die Wirkungsweise des Universums. Ohnehin ist das zentrale Anliegen des Tao Te King die nähere Bestimmung des Tao; deswegen ist eine Übersetzung des Wortes nicht wirklich erforderlich. Das Wort Te (Aussprache: de, wie in Ban-de) wird häufig mit Tugend übersetzt, eine etwas unglückli-che Wortwahl für einen überaus wichtigen Begriff. In der westlichen Weh wird Tugend mit Rechtschaffenheit assoziiert, aber in Wirklichkeit bezieht sich der Ausdruck Te auf die potentielle Energie, die dann entsteht, wenn man sich am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen geistigen Disposition befindet. Im frühen China wurde das Pflanzen des Saatguts als Te aufgefaßt, und davon leitete sich die Bedeutung von Te als gespeicherter Energie oder Potentialität ab, gelegentlich auch als magischer Kraft. Erst Jahrhunderte später, als die konfuzianischen Ideale in ihrer Blüte standen, wurde Te allmählich in der Bedeutung von gesellschaftlich sanktioniertem Moralverhalten gebraucht, und in diesem Sinne wurde es schließlich mit Tugend übersetzt. Deshalb habe ich, in Anlehnung an andere zeitgenössische Übersetzer, die Bedeutung von Te wieder auf seinen ursprünglichen Begriff, den der Kraft, zurückgeführt.In ganz wenigen Fällen habe ich archaische Bezeichnungen durch eine moderne Terminologie ersetzt; derartige aktualisierende Akzentverschiebungen sind im Kommentar zum Text jeweils kenntlich gemacht. Durchgängig betrifft dies den Ausdruck sheng Jen, wörtlich zu übersetzen mit Heiliger oder Weiser. Mir schien die eigentliche, zeitlose Bedeutung dieses Ausdrucks am besten mit reifer Mensch getroffen zu sein. Eine weitere Akzentverschiebung habe ich bei dem chinesischen Wort kuo, das meist mit Königreich oder Staat übersetzt wird, vorgenommen. Das Wort Organisation schien mir am passendsten, da kuo grundsätzlich jede Art von sozialem Verband bezeichnen kann. Zum richtigen Verständnis eines Werkes wie des Tao Te King ist es wichtig, sich ständig vor Augen zu halten, daß chinesische Schriftzeichen weniger Repräsentanten von Wörtern als Symbole für Ideen sind. Nicht mit Worten teilt uns Laotse mit, was er denkt, sondern er zeigt es uns in Symbolen. Deshalb wendet sich das eigentliche Werk unmittelbar an die geistige Intuition des Lesers, während die Worte gegenüber der zentralen Idee nur eine Übermittlerrolle spielen. Wegen dieser radikalen Ausrichtung auf eine einzige Idee gilt für das Tao Te King das Sprichwort: Besser, du liest ein Buch hundertmal als hundert Bücher einmal.Die 81 Kapitel sind knapp und kraftvoll, lebendig und