Bővebb ismertető
Einleitung:
Vom Auszug aus der Fremde in die Heimat
Eine Biographie mit Selbstzeugnissen sollte keiner Deutung von Leben und Werk bedürfen. Es sind zwei beeindruckende Phänomene, die jedem auffallen, der sich intensiver mit den Schriften Fromms beschäftigt und ihn selbst gekannt hat, die dennoch nach einer Erhellung verlangen: Einmal beeindruckt eine Konsistenz und Kontinuität des Denkens und der Aussagen quer durch alle Veröffentlichungen während fast 60 Jahren; j ernsthafte Widersprüche oder gar Widerrufe entdeckt man nicht. Zum zweiten ist es die Kongruenz von Denken und Leben, von Geschriebe- * nem und Gelebtem, von Überzeugungen und Charakter, die neugierig \ macht und nach einer Erklärung suchen läßt. Die folgenden Überlegungen führen in Erich Fromms Leben und Werk ein und sind zugleich eine . Art Schlüssel, um die Lebensdaten in ihrem Zusammenhang mit den Schriften und wissenschaftlichen Entdeckungen besser zu verstehen. \
Je älter Erich Fromm wurde, desto häufiger erzählte er von seinen jüdischen Vorfahren und Lehrern sowie von ihrer besonderen Einstellung -zum Leben. Er tat dies ganz offensichtlich deshalb, weil er sein eigenes 'j Lebensgefühl und seine Lebenspraxis in Erzählungen von ihnen vorgebil- i det oder als durch Erfahrungen mit ihnen geprägt erkannte. Der Bezugspunkt ist hierbei deren Einstellung zum Leben, wie sie sich im Lebensgefühl und in der Lebenspraxis niederschlägt. Ganz im Gegensatz zum Klischee vom geldgierigen und geschäftstüchtigen Juden war die jüdische ^ Welt, aus der Fromm kam und mit der er sich bis zum Lebensende verbun- I den wußte, im wahren Sinn des Wortes «religiös»: Sie konzentrierte sich | auf jene seelischen Kräfte und Quellen im Menschen, die über sein See-lenheil entscheiden, mag man nun dieses «Seelenheil» traditionell mehr ; «religiös» oder, wie es Fromm nach seinem Bekanntwerden mit der Psychoanalyse tat, psychologisch und humanistisch verstehen. (In Wirk- ' lichkeit ist das religiöse und psychologische Verstehen für ihn und die Welt, aus der er kam, identisch.) Fromm selbst nannte diese Welt «vorkapitalistisch», «vormodern» oder «vorbürgerlich», manchmal sprach er ' auch einfach von der «mittelalterlichen Welt», um das Lebensgefühl und den Geist, in dem er aufgewachsen war, von dem bürgerlichen Zeitgeist ' der Jahrhundertwende abzugrenzen. i
Fromm hat in den wenigen Interviews, die er gegen Ende seines Lebens j
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