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Erstes Kapitel
Es war noch sehr früh, und sie fragte sich, woher kommt die HeUigkeit - ein zarter Schein hinter den gelben Kretonnevorhängen, nicht kräftig genug, um in den Raum vorzudringen, aber doch zu hell für diese Stunde, denn es war Winter und noch nicht sechs Uhr.
Ihr Zimmer lag nach Osten; sie hatte sich das gewünscht. Der Morgen war ihre Tageszeit; diese kurze Spanne, in der die Welt aus dem Schlaf erwachte und alles ganz neu war, verbrachte sie im Winter wie im Sommer draußen, in dem weitläufigen Park, der das Haus umgab. Niemand hörte sie das Haus verlassen, niemand sah sie zurückkommen; aber etwas von dem Schmelz der morgendlichen Natur blieb an ihr haften und strahlte von ihr aus. Warum stehe ich nicht auf, dachte sie. Wovor habe ich Angst? Bin ich gar nicht mehr im Haus, in meinem Zimmer? Hatte man sie bereits daraus vertrieben? Wo hing das Gemälde der Großmutter, das mit dem Strohhut, auf dem sie ihr so ähnelte? Wo stand der Sekretär, an dem sie gestern so viele Briefe begonnen und nicht vollendet hatte? Wo hing das Kleid, das sie am Abend tragen sollte? Der Raum gab nichts davon preis; undurchdringliches Halbdunkel umgab sie, lag auf ihr wie ein Alpdruck, machte ihr das Atmen schwer. Sie zwang sich, den Kopf zu heben, wobei sie das Gewicht der langen dunklen Haare spürte, die sie nachts in Zöpfen geflochten trug. Sie begann das Haar zu lösen, aber es fehlte ihr immer noch die Kraft aufzustehen, es war fast wie in dem schreckhchen Traum von heute nacht. Es kam selten vor, daß sie sich beim Erwachen an Träume erinnerte, und noch seltener, daß sie nachts wach lag. Sie hatte