Bővebb ismertető
Der Bettler Lavisse
Den Besuchern der Abendandachten war der erleuchtete Ver-
kaufsstand im Südportal der Kathedrale, dem Liebfrauenportal,
ein wohlvertrauter Anblick. Die flackernden Kerzen erhöhten die
Pracht der Auslagen. Hinter Skapulieren, Kruzifixen, Gebet-
büchern, Räucherwerk und allerlei anderen frommen Dingen fun-
kelten gleich Ikonen zahlreiche Madonnen- und Heiligenbilder, die
teils hinter Glas, teils auf geschnitztes Holz gemalt waren. Es gab
auch Statuetten und Büsten. Sie waren besonders schön.
Diese Kunstwerke, unter meisterlichen Händen entstanden,
waren in keinem Geschäft der Stadt, sondern nur hier bei Herrn
Pius Lavisse im Portal am Paradeplatz zu kaufen, und es war
nicht selten, daß Fremde erschienen und die kostbaren Statuetten
und Büsten in Bausch und Bogen erstanden. Der Kunstbegriff
schien über die Symbole der Religion gesiegt zu haben, und Herr
Pius Lavisse, der mit flinken Marderaugen inmitten dieser Pracht
saß, nahm das Geld mit frommen Segenssprüchen entgegen.
Seit geraumer Zeit hatte Herr Lavisse allerdings keine dieser
meisterlichen Statuetten und Büsten anzubieten. Eine weniger kost-
bare Ware war an ihre Stelle getreten. Herr Lavisse schlug be-
kümmert die Blicke nieder und antwortete den ahnungslosen
Fremden, daß der Künstler, der die Wunderwerke geschaffen habe,
schwer erkrankt sei, aber mit Gottes Hilfe in absehbarer Zeit
wieder zur Arbeit zurückkehren werde. Dabei wies er auf die
neuesten Madonnenbilder hin und bot sie zum Kaufe an. Aber die
Kunden wollten sie nicht haben, obwohl sie zugeben mußten, daß
die Bilder in der Tat immer besser wurden. So hervorragend wie
die früheren seien sie jedoch ganz und gar nicht. Pius Lavisse ver-
tröstete die Käufer auf den Herbst und Winter und versicherte
ihnen, daß die Krankheit des Künstlers bis dahin überwunden sei.
Einige wollten um jeden Preis seinen Namen und seinen Aufent-
halt wissen, aber Lavisse wand sich nur wie ein Wurm und
schickte verzweifelte Blicke zu den zahllosen Heiligen hinauf, die
wie eine Heerfahrt zum Himmel in dichten Reihen das Gewölbe