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Werner Spies
Der Kontinent mit Namen Picasso
Pablo Picasso wurde vor hundert Jahren, am 25.Oktober 1881, in Malaga geboren. Am S.April 1973 starb er in Südfrankreich. Die Häuser, in denen er lebte, die Ateliers sind ausgeräumt, der Nachlaß wurde verteilt. Buchhalter und Erben sprechen heute in seinem Namen. Guernica, das »Floß der Medusa« unseres Jahrhunderts, zog in den Prado ein. Es gab Fakten genug, um auch die Jahre zwischen Tod und hundertstem Geburtstag mit der Gegenwart Picassos zu füllen. Offensichtlich ist seine Ära immer noch nicht abgeschlossen. Wir bleiben weiterhin in seiner Klimazone. Picasso hat zu viele Träume unserer Zeit erfüllt, als daß er nun einfach nur als berühmter oder kurioser Bildermacher fortlebte. Nicht nur als Künstler fordert er heraus: es ist seine psychische und geistige Konstitution, die wir nicht zu erfassen vermögen. Auch seine mündlichen und schriftlichen Äußerungen bieten uns kaum Hilfen an, um dieses anthropologische Rätsel zu begreifen.
Von welchem Picasso soll die Rede sein, wo darf man einsetzen? Wie kann man in den Kokon aus Mythos vordringen? Picasso liebte diese Versteckspiele im eigenen Labyrinth. Versuchen wir es mit einer kleinen Spielerei. Auf den i. Januar 1928 datierte er eine großformatige Kohlezeichnung mit Collage, die den Titel Minotaurus trägt (Nr. i). Eine ausgeglichene symmetrische Darstellung. Die melodiöse Linienführung wird durch klare stereometrische Formen ausbalanciert. Zwei weit ausgreifende Beine tragen den aufblickenden Stierkopf. Wie ein Zirkel sind die Beine geöffnet. Der Kopf teilt die Wegstrecke, die hier vermessen wird, in zwei Hälften. Ein Blick auf die Lebensdaten verleitet uns dazu, unter dieses so offensichtlich autobiographische Werk den