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Vorwort
Sebastian Haffner
Dieses Buch ist mehr eine Chronik als eine Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Der Verfasser versucht nicht, die Motive, Absichten und Pläne der kriegführenden Mächte zu ergründen, er versetzt sich nicht in die Gedanken Hitlers und Stalins, Churchills und Roosevelts. Er begnügt sich damit, die tatsächlichen Ereignisse, und zwar hauptsächlich die im weitesten Sinne militärischen, von Tag zu Tag mit größter Genauigkeit darzustellen, wie sie sich nachweisbar abgespielt haben. Dabei befleißigt er sich größtmöglicher Objektivität und Unparteilichkeit.
Janusz Piekalkiewicz war ein Pole, der lange Jahre in der Bundesrepublik lebte und deutsch schrieb. Er hatte als Vierzehnjähriger die Niederwerfung seines Landes miterlebt und als Neunzehnjähriger im großen Warschauer Aufstand von 1944 mitgekämpft. Seinem Buch merkt man das nicht an. Kein Wort der Entrüstung, kein patriotisches Vorurteil. Die Ereignisse werden protokolliert, ohne Kommentar. Manchmal allerdings, etwa bei der trockengenauen Darlegung der verschiedenen Phasen dessen, was man heute den Holocaust nennt, wirkt das nüchterne Protokoll erschütternder, als es die leidenschaftlichste Anklage tun könnte. Umgekehrt treten bei der kommentarlosen Tag-fiir-Tag-Darstellung der Ereignisse an den Fronten die ungeheuren militärischen Leistungen der deutschen Wehrmacht viel glaubwürdiger hervor als in heroisierenden Regimentsgeschichten. Was ebenso hervortritt, ist der tagtägliche Katastrophencharakter des Kriegsgeschehens - für alle Beteiligten. Wir sehen nicht, von hoher Warte, einem Schachspiel mit lebenden Figuren zu. Wir werden Zeugen dessen, was sich die Völker sechs Jahre lang Tag für Tag angetan haben. Die Frage des Sinns wird nie gestellt. Aber sie drängt sich dem Leser auf.
Diese Art der Kriegsdarstellung ist heute ungewöhnlich - ich kenne kein ähnliches Buch über den Zweiten Weltkrieg; und sie setzt sich natürlich dem Vorwurf der Vordergründigkeit aus. Aber sie hat zwei große Vorteile. Der eine ist, daß der Verfasser von Anfang bis Ende streng auf dem Boden der Tatsachen bleibt-während jede analytische, erklärende Kriegsgeschichte ja immer in der Gefahr schwebt, ins Spekulative zu geraten. Wir wissen nicht wirklich, wenn wir auch plausibel darüber spekulieren können, was sich zum Beispiel Churchill 1940 bei der Fortsetzung des scheinbar aussichtslos gewordenen Krieges oder Hitler 1941 bei dem durch
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